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Merken   Drucken   06.12.2011, 11:02 Schriftgröße: AAA

Folgen der Krise: Axa schreibt Kunden weniger gut

Die Gesellschaft zieht die Konsequenz aus dem Niedrigzinsniveau und senkt für 2012 die Überschussbeteiligung in der Lebensversicherung. Axa will mit neuen Angeboten und einer verbesserten Beratung die Zahl der Kunden senken, die ihre Police vor Ende der Laufzeit kündigen. von Ilse Schlingensiepen
Die Axa Deutschland versucht, die hohen Kündigungszahlen in der Lebensversicherung in den Griff zu bekommen. Gelingen soll das mit neuen Angeboten und mehr Diversifikation. "Wir müssen uns als Versicherer verstärkt des Storno-Themas annehmen", sagte Konzernchef Frank Keuper. Die Unternehmen müssten sich Informationen darüber beschaffen, warum Versicherte ihre Policen während der Laufzeit kündigen und dann geeignete Gegenmaßnahmen finden.
Obwohl es mit hohen finanziellen Verlust verbunden ist, kündigen viele Kunden ihre Lebensversicherungen vorzeitig. Das hat der Branche heftige Kritik von Verbraucherschützern und Politikern eingebracht.
Mit einem breiteren Angebot und einer verbesserten Beratung hofft die Axa, künftig mehr Versicherte bei der Stange halten zu können. "Wir wollen der Risikotragfähigkeit der Kunden Rechnung tragen", sagte Vorstand Thomas Gerber. Gerade in Zeiten, in denen Verbraucher unsicher seien und vor langfristigen Verträgen zurückschreckten, müssten die Versicherer flexible Angebote machen. Die Axa werde im Frühjahr 2012 eine Kombination aus Banksparplan und Lebensversicherung auf den Markt bringen, kündigte Gerber an. Kunden, die aus finanziellen Gründen einen Police kündigen wollen, biete der Versicherer schon heute die Prämienfreistellung oder ein Policendarlehen an, das soll künftig noch einfacher gehen.
Axa Deutschland-Chef Frank Keuper will sich des Storno-Themas annehmen   Axa Deutschland-Chef Frank Keuper will sich des Storno-Themas annehmen
Die Axa Lebensversicherung und die zum Konzern gehörende DBV Leben werden die den Kunden gut geschriebene Überschussbeteiligung für 2012 senken. Bei beiden Gesellschaften geht die laufende Verzinsung von 4,0 Prozent auf 3,8 Prozent zurück. Die Gesamtverzinsung - einschließlich der bei Vertragsende gezahlten Gewinnanteile - sinkt von 4,8 Prozent auf 4,6 Prozent. Damit folgt die Axa als erster großer Versicherer einigen kleineren Rivalen, die bereits abgesenkt haben.
Der Kölner Versicherer will wie angekündigt bis 2015 insgesamt 1600 von 9700 Vollzeitstellen streichen. Der Abbau soll wesentlich zur geplanten Kostensenkungen von 220 Mio. Euro im Jahr beitragen. "Das ist notwendig, um die Wettbewerbsstärke der Axa für die Zukunft sicherzustellen", sagte Keuper. Bei dem Kostensenkungsprogramm gehe es darum, die Arbeitsabläufe zu verschlanken, die Funktionen zu konzentrieren und Geschäftsabläufe zu digitalisieren.
Für das laufende Jahr rechnet Keuper mit einem Wachstum der Beitragseinnahmen des Konzerns um 1,5 Prozent bis 2 Prozent auf 10,5 Mrd. Euro bis 10,6 Mrd. Euro. Hauptwachstumsbringer ist zurzeit die private Krankenversicherung mit einem Plus von 6 Prozent, zum Teil auf Grund von Beitragsanhebungen. Die Schaden- und Unfallsparten legen um 3 Prozent zu, während die Beitragseinnahmen in der Lebensversicherung um 2 bis 2,5 Prozent fallen.
Beim operativen Ergebnis werde sich die Axa 2011 verbessern. 2010 hatte die deutsche Gesellschaft operativ 367 Mio. Euro verdient. Das Konzernergebnis werde nach Abschreibungen aber unter den 413 Mio. Euro des Vorjahres liegen, sagte Keuper. Der Versicherer muss auf griechische Anleihen nach Marktwert 180 bis 190 Mio. Euro abschreiben.
Die Finanzkrise beunruhigt das Kölner Management. Die Axa spiele mit Blick auf die Krise des Euro verschiedene Szenarien und ihre Auswirkung auf die Kapitalanlagen durch. Dabei stehen Szenarien, nach denen der Euro fortbesteht, im Vordergrund, sagte Finanzvorstand Patrick Dahmen. "Wir gehen davon aus, dass die wirtschaftlichen und politischen Vorteile so überwiegen, dass es nicht zu einem Auseinanderbrechen kommt." Dahmen hält auf mittlere Sicht eine leichte Inflation und einen entsprechenden Zinsanstieg für wahrscheinlich.
Welche Folgen das Aus für die europäische Gemeinschaftswährung für die Axa hätte, könne man jetzt nicht sagen, betonte Konzernchef Keuper. Bei einem Fall des Euro seien die Dominoeffekte nicht abzusehen."
  • FTD.de, 06.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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