Die Börsianer sind besorgt, Banker in Aufruhr. An der Wall Street stürzen am Freitag die Bankaktien ab. Citigroup , Goldman Sachs , Morgan Stanley , Bank of America - sie alle verlieren mehr als vier Prozent. Und die Papiere von JP Morgan , das am Abend zuvor mit einer Horrormeldung aufwarten musste, stürzen gar um acht Prozent ab. Die große Frage, die die Wall Street umtreibt: Wenn sich eine als mustergültig geltende Bank wie JP Morgan Chase dermaßen verzockt - was dräut dann dem Rest der Branche? So sieht der Chef der HypoVereinsbank, Theodor Weimer, in dem Fall "für das gesamte System eine Belastung". Wenn eine Bank, die bislang gut durch die zurückliegende Finanzkrise kam, nun auch "erwischt" werde, dann "tut das der Bankenszene insgesamt und der Reputation weh". Walter Todd, Chief Investment Officer von Greenwood Capital steht stelltvertretend für viele an der Wall Street, wenn er fragt: "Wenn sie (JP Morgan) solche Probleme haben - wer hat sie noch?"
Die größte amerikanische Bank hatte am Donnerstagabend verkündet, mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie 2 Mrd. Dollar in den Sand gesetzt zu haben - und damit zunächst die Anleger an der Wall Street schockiert und die US-Aktienkurse nachbörslich auf Talfahrt geschickt. Die Nachricht schürte auch Verunsicherung in Asien und Europa. JP-Morgan-Chef Jamie Dimon sah sich gezwungen, sich persönlich an Anleger und Analysten zu wenden. In einer eilends einberufenen Telefonkonferenz mit Analysten sprach Dimon von "ungeheuerlichen Fehlern" und erklärte das Desaster sei selbstverschuldet. Seit Ende März habe es "signifikante Buchverluste" im Kreditportfolio des Bereichs Chief Investments gegeben.
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Wall-Street-Insider erwarten nun eine verschärfte Debatte über die Bankenregulierung. Der ohnehin lädierte Ruf der Branche "macht so eine Situation nicht leichter, sondern eher schwieriger", räumt HVB-Chef Weimer ein. "Das ist Öl ins Feuer derer, die die Banken enger an die Leine nehmen wollen."
Und die Angesprochenen laden durch: "Der ernorme Verlust von JP Morgan ist nur der letzte Beweis, dass das, was Banken als Absicherung bezeichnen, nur riskante Wetten sind", sagte Senator Carl Levin. Der Demokrat aus Michigan ist Co-Autor der so genannten Volcker Rule, die die Banken stärker an die Kandare nehmen will - und ihren Eigenhandel an der Börse verbietet. Die Mitteilung von JP Morgan sei ein guter "Reminder", die Bestimmungen des Dodd-Frank Acts von 2010 endlich umzusetzen. Das Gesetz wurde zwar längst von US-Präsident Barack Obama unterzeichnet, noch aber läuft eine letzte Einspruchsfrist dagegen. Zudem hat Obamas Rivale im Rennen um die Präsidentschaft, Mitt Romney, bereits angekündigt, die Regeln aufzuweichen. Sie sehen auch enge Grenzen für Investitionen der Banken in Hedge- und Private-Equity-Fonds vor.
Die Aktien der Banken hielten sich vor dem Hintergrund solcher Befürchtungen noch recht gut. Die Commerzbank gab lediglich 0,7 Prozent nach, die Deutsche Bank verlor 1,6 Prozent, musste aber auch einen weiteren Rückschlag beim geplanten Verkauf ihrer Vermögensverwaltung einstecken. Auch andere europäische Bank-Aktien erlitten Verluste in der Größenordnung.
Angesichts ähnlicher Vorfälle bei anderen Großbanken verwies Weimer drauf, dass sich solche Vorfälle "nie gänzlich ausschließen lassen". Jede Bank versuche mit Nachdruck, dies auszuschließen. Aufsicht, Bundesbank und interne Revision schauten sich die Banksysteme genau an. Gegen Betrug sei aber niemand geschützt. Die HVB habe schon vor dem Zwischenfall bei der Schweizer Großbank UBS eigens Wirtschaftsprüfer von PwC engagiert, um die eigene Handelssysteme zu prüfen und abzusichern. " Er sei "sicher, dass bei JP Morgan auch ganz genau hingeschaut wurde".