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Merken   Drucken   05.08.2012, 19:23 Schriftgröße: AAA

Immobilienblase: Da kauft ja jemand in Spanien

Es ist ein symboltächtiges Hoffnungszeichen: Finanzinvestoren greifen auf dem am Boden liegenden spanischen Immobilienmarkt zu. Das ist nicht zuletzt dem Sparkurs der Regierung geschuldet. Doch genau der verhindert auch eine rasche Erholung des Euro-Landes.
© Bild: 2009 Bloomberg
Leitartikel Es ist ein symboltächtiges Hoffnungszeichen: Finanzinvestoren greifen auf dem am Boden liegenden spanischen Immobilienmarkt zu. Das ist nicht zuletzt dem Sparkurs der Regierung geschuldet. Doch genau der verhindert auch eine rasche Erholung des Euro-Landes.

Sie sind der Inbegriff der Finanzkrise des Landes und sichtbarer Ausdruck des dramatischen Endes einer Spekulationsblase: die zuletzt kaum mehr vermietbaren, geschweige denn verkäuflichen Bürogebäude Spaniens; die Millionen leer stehenden Immobilien; das sinnlos in der Landschaft verfallende Betongold.

Jetzt, mitten hinein in die Krisenmeldungen von Rekordarbeitslosigkeit und Rettungsschirmhilfen, kommt die Nachricht, dass sich tatsächlich genau dafür jemand interessiert: für Spaniens Immobilien. Wenn Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften den spanischen Immobilienmarkt wieder für sich entdecken, heißt das: Hier glaubt jemand an die Zukunft, insbesondere daran, dass diese Immobilien wieder an Wert gewinnen können. Nicht weil das politisch so erwünscht wäre - ist es natürlich -, sondern weil sich die Investoren einen Profit ausrechnen und den Einstieg für lohnenswert erachten.

Es ist ein Hoffnungszeichen, nicht mehr, aber ein symbolträchtiges. Und es ist ein sichtbarer Erfolg der spanischen Regierung, die diese positive Wendung durch ihren Druck auf den Bankensektor erst ermöglicht hat. Für diesen Druck war es aber auch höchste Zeit. Viel zu lange saßen Spaniens Banken auf ihren viel zu hoch bewerteten Immobilienvermögen und weigerten sich, der Realität ins Auge zu sehen und die notwendigen Wertberichtigungen durchzuführen. Und die spanische Regierung sah bei dieser Strategie des Aussitzens lange zu. Jetzt, mit Bilanzwerten, die sich näher am inneren Wert der Immobilien orientieren, finden sich wieder Käufer. Das ist ermutigend. Das Beispiel der Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften könnte andere Investoren motivieren, Spanien wieder als Chance wahrzunehmen.

Doch das kann dauern. Denn noch steckt Spanien mitten in seiner größten Bewährungsprobe: Während es mit einem extrem ambitionierten prozyklischen Sparprogramm die Kreditgeber beruhigen will, rutscht das Land immer stärker in die Rezession. In dieser Situation ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich jetzt tatsächlich die allgemeine Stimmung dreht und Spaniens Unternehmer wieder mit für sie finanzierbaren Krediten investieren können. Das aber ist nötig, damit das Land auf einen Wachstumspfad gelangen kann.

  • Aus der FTD vom 06.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 06.08.2012 11:36:47 Uhr   Alatheia: "diebische Eliten" II

    Mein Beitrag, der einen Begriff im ersten Beitrag zitierende (in Anführungszeichen !) aufgriff, wurde gelöscht: "EU-Solidarität und Brüderlichkeit sind dabei nur Kulisse. In Spanien sichern Subventionen vor allem den Machterhalt "diebischer Eliten"." Ich denke, "diebische Eliten" sind der Schlüsselbegriff für die Finanzkrise. Es ist wohl unbestreitbar, das bisher einige wenige massiv verdienen, während die Subventionszahler/inn/en enorm verlieren. Liegen die Nerven schon so blank, dass man das nicht mehr für alle lesbar so aussprechen darf?

  • 06.08.2012 09:23:11 Uhr   Alatheia: "Diebische Eliten"
  • 06.08.2012 00:26:41 Uhr   patgarrett: Hurra, die Blase wird gerettet ?
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