Da gibt es Anleger, die überall verzweifelt nach andeutungsweise besser rentierlichen Investitionsmöglichkeiten suchen und kaum welche finden. Da gibt es Zentralbanken, die die Welt mit frischem Geld fluten. Da gibt es Aktienmärkte, die seit einiger Zeit - auch wegen gestiegener Inflationserwartungen - deutlich nach oben tendieren. Und dann ist Deutschland auch noch ein Standort für Investoren, der nicht zu den unattraktivsten gehört. Wenn in einem solchen Umfeld keine erfolgreichen Aktienneuemissionen möglich sind, wann dann?
Trotzdem ist die Furcht verständlich - und hilfreich -, mit der die aktuellen Börsengänge zurzeit sowohl aufseiten der Unternehmen als auch der Emissionsbanken begleitet werden. Zu oft wurden die Investoren in den vergangenen Jahren von den Börsenneulingen enttäuscht - und der deutsche IPO-Markt dämmert schon seit Langem halb tot vor sich hin. Sollten die jetzt geplanten Neuemissionen fehlschlagen, von Talanx in dieser Woche oder von Telefónica Deutschland/O2 Ende des Monats, dann war es das erst mal wieder mit den Hoffnungen auf eine Wiederbelebung. Dann setzt sich der komatöse Zustand auf diesem wichtigen Markt für Eigenkapital fort, und viele Unternehmen werden ihre schon fertigen IPO-Pläne in der Schublade lassen.
Was den ohnehin schon darbenden Investmentbankern gar nicht schmecken kann, weil sie die Provisionen aus den Börsengängen gut gebrauchen könnten. Mitleid für die Branche ist aber fehl am Platze, hat die es doch in der Vergangenheit nicht verstanden, Börsenaspiranten die Mondpreisvorstellungen auszureden, die sie in der Regel für ihren Börsengang hegen - was eigentlich zu jeder seriösen Begleitung durch Emissionsbanken gehören sollte.
Die Zurückhaltung von Investoren ist deshalb nicht nur der Finanzkrise und den konjunkturellen Unsicherheiten geschuldet, sondern auch den ernüchternden Erfahrungen in der Vergangenheit. Es ist richtig, selbst in Zeiten des Anlagenotstands skeptisch zu bleiben und nicht jedes vollmundige Managementversprechen zu schlucken. Sogar wenn ein schuldenbeladener Telefonkonzern ein paar Juwelen verkaufen muss, ist das nicht automatisch ein Schnäppchen.