FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Tobias Bayer - Ein klares Nein zur Bazooka

Merken   Drucken   28.11.2011, 21:30 Schriftgröße: AAA

Kolumne: Tobias Bayer - Ein klares Nein zur Bazooka  

Premium Die Deutschen werden als Inflationsneurotiker verspottet, weil sie sich gegen den Staatsanleiheaufkauf der EZB wehren - solche Kritik ist unfair und kurzsichtig. von Tobias Bayer 
Es ist ein schmales Büchlein, mit dem Franco Bruni gegen den Überfluss anschreibt. "L'acqua e la spugna" ("Das Wasser und der Schwamm") hat der Bocconi-Professor seinen 200-Seiter getauft. Es ist keine Fabel, sondern eine Abrechnung mit der Geldpolitik der vergangenen 20 Jahre. Das Thema lautet: Wie die Zentralbanken viel zu viel Geld in Umlauf bringen, das vom Finanzsystem erst aufgesogen und dann auf einmal unkontrolliert freigegeben wird.
Erschienen ist es bereits 2009. Doch Ende 2011 wird es wieder aktuell. Bruni mischt sich in die aktuelle Diskussion ein. Die Europäische Zentralbank (EZB) müsse sich gegen die Schuldenkrise stemmen und im großen Stil Staatsanleihen von Italien und Spanien aufkaufen, fordern Analysten und Strategen. EZB-Präsident Mario Draghi müsse die "Bazooka" auspacken, also die Märkte regelrecht mit Liquidität fluten. Ein Albtraum für die Deutsche Bundesbank, die sich vor Inflation fürchtet.

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  • Aus der FTD vom 29.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 29.11.2011 19:53:17 Uhr   oakeshott: Konditionalität

    Geehrter Herr Bayer,
    Ihr glühendes Pladoyer für eine an Geldwertstabilität orientierte Zentralbank überträgt die Umstände, in denen in den 70er, in den 80er und in den 90er Jahren operiert wurde, auf unsere Zeit. Und die Effekte, die die sture Haltung einer allein am Inflationsproblem orientierten Zentralbank zeitigt. Wir befinden uns gerade in einer Situation, in der Staat und privat-Haushalte Schulden gleichzeitig abbauen müssen oder wollen. Die Inflationserwartungen, die sich an den deutschen 5Jahr-breakeven spiegeln, liegen bei unter 1%. Außer verteuerten Rohstoffen ist von einer 70er-Jahre-Inflation (steigende Einkommen - wo?) nichts zu bemerken. Darüber hinaus führt die gegenwärtige Weigerung der EZB, als lender of last resort zu fungieren, dazu, dass ein Land in Europa nach dem anderen bankrott gehen wird, wenn diese Weigerung noch ein paar Monate durchgehalten wird. Wollen Sie, dass die EZB am Ende den Währungsraum, dessen Inflation sie behüten soll, zerstört? Das ist doch absurd ...
    Natürlich reicht eine 'bazooka' der EZB nicht aus, um das tiefere Problem der Handelsungleichgewichte in der Eurozone zu beheben. Aber wenn die bazooka nicht kommt, wird das Problem nicht mehr in der Eurozone zu lösen sein - weil es sie so nicht mehr geben wird. Oder ist es das, was Sie wollen?
    P.S. - haben Sie schon mal von Krugman, Rubini, Eichengreen, de Grauwe, Münchau, Wolf etc. gehört? Sind das alles nur kurzsichtige linke Spinner?

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