Eine Studie vergleicht, wie DAX-Konzerne mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen. Das größte deutsche Geldinstitut stürzt am stärksten ab. von Martin Reim
Manche Anleger denken beim Thema Nachhaltigkeit vor allem an schwammige Kriterien: Es gehe darum, Gutes zu tun für die Umwelt - messbar sei das Ganze nicht. Falsch gedacht: Oft zählen die harten Fakten, etwa beim Thema CO2. So ist beim neuen BMW-Modell 118i der Ausstoß des klimaschädlichen Gases gegenüber dem Vorgänger um 15 Prozent gesunken. Und auch beim Rest seiner Fahrzeugpalette hat der Autohersteller die Emissionen deutlich verringert.
Solche Daten führen dazu, dass BMW in puncto Nachhaltigkeit die Nummer eins im DAX ist. Das zeigt eine Studie der internationalen Nachhaltigkeitsratingagentur Sustainalytics, die dem FTD-Schwestermagazin "Börse Online" exklusiv vorliegt. Diese Auswertung wird alle zwei Jahre vorgenommen und zählt zu den umfangreichsten ihrer Art. Die DAX-Werte werden auf die Kriterien Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung hin abgeklopft.
Wie kursrelevant solche Angaben sein können, zeigte sich an einer kürzlich vorgelegten Untersuchung der US-Eliteuniversität Harvard. Die Forscher hatten die Performance internationaler Konzerne zwischen 1992 und 2010 getestet. Ergebnis: Firmen, die sich nachhaltig ausrichten, schnitten jährlich um 2,3 Prozent besser ab als Unternehmen, die sich wenig bis gar nicht um solche Fragen kümmern.
Doch wie kann in der Sustainalytics-Studie ausgerechnet ein Autokonzern ganz vorn liegen, wo der Wirtschaftszweig aus ökologischer Sicht nicht unbedingt einen guten Ruf hat? "Auch Unternehmen aus Branchen, die als weniger umweltfreundlich gelten, können nachhaltig wirtschaften und einen positiven Beitrag leisten", sagt Sustainalytics-Analyst Arne Philipp Klug.
Nachhaltig aufgefallen bei der diesjährigen Automesse in Detroit: Der BMW i8 Concept vereint in seinem zukunftsweisenden Plug-in-Hybrid-Konzept einen Verbrennungsmotor und einen Elektroantrieb
Nach 2009 steht BMW erneut auf dem obersten Treppchen. Neben dem verminderten CO2-Ausstoß punkteten die Bayern damit, dass die Produktion umweltfreundlicher abläuft und die Lieferkette nachhaltiger ausgerichtet ist. Henkel behält Platz zwei, auch infolge noch gesteigerter Standards bei Zulieferern. So hat der Konsumgüterhersteller den Kriterienkatalog um die Punkte Kinderarbeit und Diskriminierung nach Hautfarbe, Religion oder Geschlecht erweitert sowie die Überprüfung seiner Richtlinien verbessert.
Auf den folgenden Plätzen gibt es erhebliche Verschiebungen. Volkswagen klettert von Platz 13 auf drei, nicht zuletzt weil die Vereinbarkeit von Beruf und Familie jetzt stärker im Blickpunkt steht. Mehr Frauen in Führungspositionen und eine gesunkene Fluktuation bei den Mitarbeitern brachten Eon von Platz 20 auf Rang vier. SAP verbessert sich von Platz 15 auf fünf, unter anderem weil der Anteil erneuerbarer Energien in der Produktion gestiegen ist. Den größten Sprung schafft die Deutsche Börse von Rang 26 auf zehn. Strengere Richtlinien beim Thema Geldwäsche gaben hier den Ausschlag.
Bewegung gab es auch am Tabellenende: Fresenius rutscht von 28 auf 30, schwache Sozialstandards bei den Zulieferern fielen negativ ins Gewicht; Wachsende Spenden an Parteien ließen Fresenius Medical Care von Platz 23 auf 29 abrutschen; die Commerzbank fiel von 18 auf 28, etwa weil sie bei branchenspezifischen Nachhaltigkeitsstandards versagte. Am heftigsten erwischte es die Deutsche Bank. Den Absturz vom zehnten auf den 24. Platz begründet Sustainalytics-Analyst Klug unter anderem mit "kontroversen Geschäftstätigkeiten, die zuletzt auch für Schlagzeilen in den Medien gesorgt hatten".
Verschlechterungen wie diese sind allerdings nicht absolut zu sehen, sondern im Vergleich zu anderen DAX-Mitgliedern. So erreichte die Deutsche Bank in etwa die gleiche Punktzahl im Gesamtranking wie 2009.
Beim Thema Nachhaltigkeitstransparenz haben sich viele Firmen verbessert. "Mittlerweile veröffentlichen fast alle DAX-Unternehmen regelmäßig einen Report, der nach den global anerkannten Standards verfasst ist", sagt Klug.
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