FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Spenden - Kontrolle ist besser

Merken   Drucken   05.12.2011, 10:02 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Spenden - Kontrolle ist besser

In der Vorweihnachtszeit häufen sich Spendenaufrufe. Wie sich seriöse Sammler von dubiosen unterscheiden lassen.
© Bild: 2011 DPA/Bildfunk/Jens Kalaene
In der Vorweihnachtszeit häufen sich Spendenaufrufe. Wie sich seriöse Sammler von dubiosen unterscheiden lassen. von Renate Daum
Prominente Unterstützer schaffen Vertrauen. Der Verein Kinderschutzengel aus Berlin, der schwer kranken Kindern hilft, hat gleich mehr als ein Dutzend: Zu seinen Botschaftern zählt Schauspieler Christoph M. Ohrt. Familienministerin Kristina Schröder und ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen schrieben ein Grußwort.
Viele Spender glauben, Prominente oder große Unternehmen bürgten für Seriosität. "Diese prüfen aber oft nicht genau, für wen sie ihren Namen hergeben", warnt der Spendenexperte Stefan Loipfinger vom Webportal Charitywatch. Loipfinger rät, sich vor Spenden über die jeweiligen Organisationen zu informieren.
Noch keine Reaktion von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen   Noch keine Reaktion von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen
Welchen Kriterien folgen Ohrt und die genannten Politikerinnen? Das Familienministerium prüft nach eigenen Angaben unter anderem, ob ein Verein ein Spendensiegel besitzt, welche Botschafter und Partner es gibt, welches Tätigkeitsfeld er hat und ob schon einmal eine Familienministerin ein Grußwort geschrieben hat. Die heutige Arbeitsministerin von der Leyen und Schauspieler Ohrt reagierten auf eine Anfrage nicht.
Das Spendensiegel des renommierten Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) hat Kinderschutzengel nicht. Die Vereinsvorsitzende Jacqueline Boy ließ Loipfinger monatelang warten, bevor sie die Verwendung der Spenden offenlegte, obwohl sich der Verein dazu verpflichtet hat. Er errechnete schließlich, dass 2008 Verwaltung und Fundraising fast zwei Drittel der Ausgaben ausmachten. Der Anteil sank 2009 auf 23,4 Prozent. Er entsprach damit aber noch gut 30 Prozent der Geldspenden. Boy führt für 2008 hohe einmalige Anschaffungen im dritten Jahr nach der Gründung an. Für 2010 nannte sie nur den Verwaltungskostenanteil ohne Werbung.
Zum Vergleich: Das DZI hält 20 Prozent Verwaltungs- und Werbekosten bei den Gesamtausgaben für angemessen. Wer das Siegel neu beantragt, darf nicht mehr als 30 Prozent dafür ausgeben.
Vorbild Rheinland-Pfalz
Loipfinger macht mit seinen Fragen viele Sammler nervös. Denn er entdeckte, dass viel Geld in den Taschen von Hintermännern landete.
Eine effektive staatliche Kontrolle gibt es nicht. Viele Bundesländer haben ihr Sammlungsgesetz abgeschafft. Nur die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) spricht bei Beschwerden über Sammler in Rheinland-Pfalz gegebenenfalls ein Sammlungsverbot für das Bundesland aus und veröffentlicht es. Bürger können zudem nachfragen, ob die Behörde eine Organisation überprüft oder eine Sammlungserlaubnis ausgestellt hat. "Wir bekommen Anfragen aus der ganzen Bundesrepublik", sagt ADD-Sprecherin Eveline Dziendziol. Unlautere Organisationen meiden Rheinland-Pfalz mittlerweile.
Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency International in Deutschland, empfiehlt als Informationsquellen Charitywatch.de und das DZI. Unter "Spenderberatung" sind unter www.dzi.de Organisationen mit Siegel zu finden. Über etwa 1000 Spendensammler bietet das DZI Einzelauskünfte an. Charitywatch spricht Empfehlungen und Warnungen aus.

Der Spenden-Check
Wer wissen will, welche Spendenorganisation es wert ist, unterstützt zu werden, sollte mindestens Antworten auf die folgenden fünf Fragen einholen. Lässt sich auch nur eine nicht mit Ja beantworten, gehört der zugehörige Spendenaufruf in den Papierkorb.
Diese Hürde ist niedrig: Das Finanzamt fordert nur, dass die Hälfte der Ausgaben dem Satzungszweck zukommt, in den ersten drei Jahren noch weniger. Ist der entsprechend weit gefasst, bleibt aber wenig für Bedürftige. "Prüfungen des Finanzamts sind kein Beleg für die seriöse Verwendung von Spendengeldern", warnt Stefan Loipfinger von Charitywatch.
Sammlungsverbote der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Rheinland-Pfalz sind zu finden unter www.add.rlp.de, "Kommunale und hoheitliche Aufgaben", dann "Ordnungswesen", dann "Sammlungsrecht", dann "Aktuelles". Eine Warnliste führt www.charitywatch.de. Manchmal warnen Verbraucherzentralen vor Spendenorganisationen.
Drängt ein Spendenwerber extrem zur Eile, ohne die Möglichkeit zu lassen, in Ruhe über das Angebot nachzudenken, besteht die Gefahr, dass er vor allem an seinen Provisionen interessiert ist. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) warnt zudem: "Stark mitleiderweckende und gefühlsbetonte Werbung ist ein Kennzeichen unseriöser Organisationen."
Dazu sind die Spendenorganisationen nicht gezwungen. Wer sich weigert, hat aber kein Geld verdient. Manche Organisationen haben sich selbst zur Offenlegung verpflichtet. Tun sie es trotz Verpflichtung nicht, sollten sich die Interessenten bei der Stelle beschweren, gegenüber der die Organisationen sich verpflichtet haben, etwa dem Deutschen Spendenrat.
Das ist nur dann der Fall, wenn die Werbe- und Verwaltungskosten nicht zu hoch sind. Loipfinger zieht die Grenze bei 20 Prozent der Gesamtausgaben. Das DZI hält bis zu 20 Prozent für angemessen und bis zu 35 Prozent für vertretbar. Wer das DZI-Siegel hat, muss ab 2014 mit 30 Prozent auskommen. Für Neuanträge gilt diese Grenze schon.
  • FTD.de, 05.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6315,89  [30.14 +0,48%
  Euro Stoxx 50 2156,52  [22.47 +1,05%
  Dow Jones 12529,75  [33.6 +0,27%
  Nasdaq Composite 2839,38  [-10.74 -0,38%
  Euro 1,25322 USD  [-0.00027 -0,02%
  Brent-Öl 106,56 USD  [0.25 +0,24%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

FTD-SPEZIAL: FINANZKOMMUNIKATION

mehr FTD-Spezial: Finanzkommunikation

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote