Die Talfahrt der Solarworld-Papiere setzt sich fort: Am Nachmittag steht die Solarworld -Aktie rund sechs Prozent tiefer bei 0,98 Euro. Bereits am Mittwoch hatten die Papiere rund elf Prozent eingebüßt. "Die Lage bleibt schwierig", schrieb DZ-Bank-Analyst Sven Kürten in einer Kurzstudie. Der Ausblick sei schlechter als zuvor gewesen. Kürten bekräftigte seine Verkaufsempfehlung ebenso wie seine Kollegen von der LBBW. Händler erwarteten weitere Kursverluste. Das Kursziel der DZ Bank liegt mit 80 Cent und das der LBBW mit 85 Cent schon jetzt deutlich unter dem aktuellen Niveau. Ihr Rekordtief hat die Solarworld-Aktie übrigens im Mai 2003 mit 25 Cent erreicht. Anfang 2004 startete dann eine fulminante Rally, die den Preis bis November 2007 auf ein Rekordhoch von 48,80 Euro trieb. Doch seitdem immer mehr Unternehmen aus der Solarbranche in Schwierigkeiten geraten, steht auch die Solarworld-Aktie unter Druck.
Ein Ende der Misere in der Branche ist nicht in Sicht, wie Solarworld-Chef Frank Asbeck am Mittwoch betonte. Während der Technologiekonzern Bosch seine hochdefizitäre Solar-Tochter Aleo mit einer Finanzspritze am Leben hält, hofft Asbeck auf Schützenhilfe durch die EU-Kommission. "Es kommt alles darauf an, wie schnell die EU-Kommission den Chinesen verbietet, mit Dumpingpreisen die Industrie zu zerstören."
In den USA, wo jüngst hohe Strafzölle verhängt wurden, habe die "Nachfrage bereits angenehm angezogen", sagte Asbeck. Dort hat Solarworld im Kampf gegen die Konkurrenz aus China zusammen mit anderen Firmen eine Beschwerde eingereicht. Auch der EU-Kommission liegt ein solches Schreiben vor. Die Unternehmen erheben den Vorwurf, Suntech, Yingli , Trina Solar und andere Solarfirmen aus der Volksrepublik arbeiteten mit Dumpingpreisen. Solarworld und Co. klagen zudem gegen staatliche Beihilfen.
Während in Deutschland nach Angaben der Bundesnetzagentur im dritten Quartal Anlagen mit eine Leistung von über 1800 Megawatt (MW) installiert wurden - 200 MW mehr als vor Jahresfrist - brachen bei Solarworld die Erlöse um 40 Prozent auf 128,8 Mio. Euro ein. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) fiel ein Verlust von 45,8 Mio. Euro an nach einem Gewinn von knapp 20 Mio. Euro vor Jahresfrist. Unter dem Strich lag das Minus bei 69 Mio. Euro (Vorjahr: minus 10,9) Mio. Euro und damit fast 20 Mio. Euro höher als von Analysten erwartet. Die Anleger reagierten denn auch enttäuscht: Die ohnehin gebeutelte Aktie notierte mit 1,17 Euro knapp sechs Prozent im Minus.
Für das Gesamtjahr erwartet Asbeck nicht nur einen deutlichen Rückgang der Erlöse, sondern auch einen deutlichen operativen Verlust. Er will mit weiteren Kostensenkungen und Stellenabbau gegensteuern. Wieviele Mitarbeiter von den derzeit knapp 2500 (Vorjahr: 2700) gehen müssen, ließ Asbeck offen. Sicher sei aber, dass alle Standorte in Deutschland und den USA betroffen sein werden. Der Firmenchef warnte zudem vor einem weiteren Rückgang der liquiden Mittel, falls es zu Projektverzögerungen komme. Bis Ende September waren sie um 60 Prozent auf 232,2 Mio. Euro gefallenen. Das Eigenkapital sank um 40 Prozent auf 370 Mio. Euro.
Mit dem sich abzeichnenden Fehlbetrag im laufenden Jahr würde der einstige Branchenprimus bereits das zweite Mal in Folge einen Jahresverlust ausweisen. 2011 hatte der Konzern bereits bei einem Umsatz von rund 1 Mrd. Euro einen operativen Verlust (Ebit) von 233 Mio. Euro verbucht.