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Merken   Drucken   08.07.2012, 19:35 Schriftgröße: AAA

Steuersparmodell: Schiffsfonds vor dem Kollaps

Exklusiv Das gesamte Modell Schiffsbeteiligungen steht vor dem Aus: Die Branche leidet an hohen Überkapazitäten, Anlegern drohen Milliardenverluste. Das hat Lloyd Fonds auf eine Idee gebracht, die verblüffend an hübsch verpackte US-Immobilienpapiere erinnert.
von Jürgen Dobert und Monika Müller, Hamburg

Der milliardenschwere Markt für Schiffsbeteiligungen steht vor dem Kollaps. Nach Informationen der FTD plant der Hamburger Lloyd Fonds, 16 seiner Schiffe in eine Auffanggesellschaft auszugliedern - eine Art Bad Bank für notleidende Finanzierungen. Den Anlegern drohen massive Kapitalverluste. Auch andere Anbieter planen ähnliche Modelle für ihre maroden Fonds. Zudem haben namhafte Schiffsfinanzierer wie die Commerzbank angekündigt, sich ganz aus dem Geschäft zurückzuziehen.

Schiffsfonds in schwerer See   Schiffsfonds in schwerer See

Damit könnte eines der beliebtesten Steuersparmodelle der Deutschen vom Markt verschwinden. Vor der Krise hatten Tausende Anleger Milliarden Euro in die Finanzierung von Frachtern investiert - in der Hoffnung auf steigende Charterraten. Viele Banken bewarben die Beteiligung an einem Schiffsfonds als sichere Anlage.

Die Branche leidet jedoch seit Jahren an hohen Überkapazitäten, die die Preise drücken. Viele Unternehmen sind kaum in der Lage, die Betriebskosten ihrer Schiffe zu bezahlen, und geraten so mit ihren Kreditzahlungen immer mehr in Rückstand. Bundesweit gingen in den vergangenen Jahren rund 100 Anlegerschiffe pleite - im Wert von 1,7 Mrd. Euro.

"Es wird immer deutlicher, dass der klassische Einschiffsfonds in alter Form nicht mehr bestehen kann", sagte Torsten Teichert, Vorstandschef von Lloyd Fonds. Er will deshalb nun 16 Containerschiffe, die bisher als einzelne Fonds laufen, in einer Auffanggesellschaft bündeln und als gemeinsame Flotte unter dem Namen Ocean 16 weiterbetreiben. Laut dem Konzept besteht bei allen betroffenen Schiffen "akuter Handlungsbedarf". Eine Sanierung als Einzelfonds sei vielfach unmöglich, nur durch den Zusammenschluss sei eine Umfinanzierung derzeit noch machbar.

Gut 6000 Anleger sind von den Plänen betroffen. Sie könnten einen Großteil ihres Kapitals verlieren. An der neuen Gesellschaft wären sie nur noch mittelbar beteiligt. Zudem hätten sie kein direktes Mitspracherecht mehr.

Teichert hofft, die Schiffe als Flotte besser als Sicherheit bei Banken hinterlegen zu können und so an frisches Kapital zu kommen, ohne die Anleger um eine neue Sanierungsrunde bitten zu müssen. Etliche der Fonds hatten die Anleger bereits mit frischem Kapital gestützt. Eine zweite Runde gilt unter Experten als aussichtslos. Die Fondsbetreiber hoffen auf steigende Preise für ihre Schiffe, um diese später besser verkaufen zu können.

Die Pläne sind der zweite Schlag für die Anlageklasse innerhalb kurzer Zeit. Erst vergangene Woche hatte die Commerzbank angekündigt, aus dem Geschäft mit Schiffsfinanzierungen auszusteigen. Sie ist der zweitgrößte deutsche Finanzier von Schiffsbeteiligungen nach der HSH Nordbank. Diese muss ihr Geschäft jedoch stark reduzieren, um EU-Auflagen zu erfüllen. Die Banken haben faule Schiffskredite in zweistelliger Milliardenhöhe in ihren Büchern. Jahrelang hatten sie Geld für riskante Finanzierungen gegeben, die Fonds aggressiv vermarktet und so Überangebot mit erzeugt. Nun treten sie den Rückzug an.

Die deutschen Reeder befürchten, dass weitere Banken aussteigen könnten, und rufen nach dem Staat. Der Verband Deutscher Reeder forderte vergangene Woche die Bundesregierung auf, über die staatliche KfW Bank Überbrückungskredite zu gewähren.

  • Aus der FTD vom 09.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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