Die Zeiten, in denen die Aktie der Deutschen Telekom in aller Munde war und als Topinvestment galt, sind lange vorbei. Dass sie sobald nicht wiederkommen, daran dürfte kaum jemand zweifeln. In den vergangenen fünf Jahren dümpelte der Kurs bei etwa 10 Euro - das ist ein Zehntel dessen, was die Aktie zu ihrer Hochzeit im Jahr 2000 wert war. Zurzeit ist die Aktie für rund 8,40 Euro zu haben.
Bei anderen Unternehmen aus der Branche sieht es nicht viel besser aus, etwa bei France Telecom oder der spanischen Telefónica . Spätestens seit Ausbruch der Finanzkrise 2008 ist bei Telekomunternehmen kaum noch etwas zu holen. Der europäische Branchenindex Euro Stoxx Telecom hat seit Anfang 2008 fast die Hälfte seiner Performance eingebüßt, ohne größere zwischenzeitliche Erholungen. Zurzeit liegt er bei rund 270 Zählern.
Tatsache ist: Die Telekommunikationsbranche hat Probleme, und das nicht erst seit gestern. "Die Liberalisierung, die vor 15 Jahren politisch angestoßen wurde, sollte bewirken, dass die Preise fallen. Das tun sie auch. Damit sinken aber auch die Gewinne der Unternehmen", sagt Stefan Heng, Telekomspezialist für die Branche bei der Deutsche-Bank-Tochter DB Research. Hinzu kommt, dass die Geschäftsmodelle der Unternehmen zum Gutteil veraltet sind. Mit der einstigen Haupteinnahmequelle, dem Verkauf von Gesprächsminuten, lässt sich heute kaum noch Gewinn erzielen. Der verschärfte Wettbewerb macht den Unternehmen zusätzlich zu schaffen. "Der Wettbewerbsdruck auf die Branche ist angebots- wie nachfrageseitig stark gestiegen, die Kunden verlangen niedrige Preise", sagt Heng. "Auch der Konkurrenzkampf zwischen der regulierten Telekommunikationsbranche und unregulierten Netzbetreibern nimmt zu."
Die Folge: Aktien von Telekommunikationsfirmen sind derzeit höchstens für zwei Investorengruppen interessant. Erstens für Anleger, die auf Dividenden setzen. Denn die zahlen die Firmen durchaus, die Dividendenrenditen sind hoch (siehe Tabelle). "Dividenden sind ein gewichtiger Grund, nicht komplett aus Telekommunikationsaktien auszusteigen", sagt Commerzbank-Analystin Heike Pauls. Zweitens sind die Aktien von Telekommunikationsunternehmen für risikofreudige Anleger interessant, die gewillt sind, die wenigen potenziellen Wachstumskandidaten der Branche ausfindig zu machen. Analystin Pauls ist da skeptisch: "Ich würde es nicht wagen, bei den großen Anbietern derzeit von Wachstum zu sprechen. Es wird schwierig sein, das Wachstumsprofil des Sektors deutlich zu verbessern."
Das ist richtig und vor allem nötig - und durchaus auch möglich. Die Unternehmen müssen dringend neue Gewinnquellen ausfindig machen, betonen Branchenkenner. "Unternehmen, die bereit sind, ihr Geschäftsfeld über den Netzbetrieb hinaus auch in die neuen lukrativen Servicefelder auszudehnen, haben durchaus gute Aussichten. Es bedarf allerdings großer Anstrengung und eines enormen Innovationswillens", urteilt DB-Research-Analyst Heng. Zu den vielversprechenden Feldern, die Telekommunikationsunternehmen in Zukunft mitbeackern könnten, zählen etwa die intelligente Gebäudesteuerung, Smart Metering oder Cloud-Computing.
Auch wenn die Aktienkurse noch ein anderes Bild vermitteln, im Hinblick auf die Geschäftsmodelle steht die Branche vor einem Umbruch. Das eröffnet Chancen, birgt aber auch das Risiko, aufs falsche Pferd zu setzen. Zumal Lage und Aussichten der Unternehmen international stark variieren. "Das Telekommunikationsgeschäft ist von Land zu Land sehr unterschiedlich. Hinsichtlich der Wettbewerbsintensität zwischen den Anbietern, aber auch hinsichtlich des Bedarfs der Kunden", sagt Heng.
Jene Unternehmen herauszufiltern, die mit ihren Innovationsansätzen auch Erfolg haben werden, ist für Investoren daher nicht einfach. Nicht einmal dann, wenn sie sich auf die Dickschiffe fokussieren und Nischenanbieter außen vor lassen, von denen es ohnehin weniger gibt als in anderen Branchen.
Dennoch kommen interessierte Anleger um eine sorgfältige Einzeltitelauswahl kaum herum, da auch Fonds keine echte Alternative bieten: Produkte, die den Begriff Kommunikation weit auslegen oder unter dem Schlagwort Telemedien die Branchen Telekommunikation und Medien vermischen, stehen im laufenden Jahr bislang recht gut da. Fonds jedoch, die ausschließlich oder überwiegend in Aktien von Telekommunikationsunternehmen investieren, haben seit Anfang des Jahres fast durch die Bank weg Minus gemacht.