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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   27.12.2011, 10:15 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Simon Johnson - Hört auf, die Banken zu schonen

In diesem Jahr ist der finanzielle Druck auf alle Staaten drastisch gewachsen - dennoch tasten die Politiker die Verantwortlichen für die Krise weiterhin nicht an.
© Bild: 2011 Random House/Bloomberg
Kommentar In diesem Jahr ist der finanzielle Druck auf alle Staaten drastisch gewachsen - dennoch tasten die Politiker die Verantwortlichen für die Krise weiterhin nicht an. von Simon Johnson
Simon Johnson war Chefökonom des Internationalen Währungsfonds und ist Wirtschaftsprofessor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston

Dieses Jahr kam der Weihnachtsmann früh für vier ehemalige Manager von Washington Mutual (Wamu) - einer großen US-Bank, die im Herbst 2008 Konkurs anmeldete. Der US-Einlagensicherungsfonds FDIC hatte sie auf die Rückerstattung von 900 Mio. Dollar verklagt - aber die Manager haben gerade eine Einigung auf 64 Mio. Dollar unterschrieben. Da den Großteil ihre Versicherungen zahlen, müssen sie selbst nur 400.000 Dollar beisteuern.
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Laut FDIC verdienten die vier Manager zwischen Januar 2005 und September 2008 immerhin 95 Mio. Dollar - sie haben also unter dem Strich einen kräftigen Gewinn gemacht. Das passiert, wenn Finanzmanager eine Vergütung für Kapitalrendite bekommen, die nicht an die Risiken angepasst wird. Bankmanager gewinnen, wenn die Dinge gut laufen, und wenn die Dinge nicht so gut laufen, verlieren sie nichts.
Sie - und andere Bankmanager - sind dabei direkt für den Anstieg der Preise auf dem Wohnungsmarkt und in der Folge für den Kollaps des Immobilienmarkts verantwortlich. Er traf Nichtbanker hart, rund acht Millionen Arbeitsplätze gingen verloren. Dem Kollaps folgten Sparmaßnahmen - im ganzen Land werden Steuern erhöht und staatliche Leistungen gekürzt. Dem Land steht zudem eine schwierige Auseinandersetzung über steuerliche Fragen bevor, es muss sich auf Einschnitte und Kürzungen einstellen.
Manche argumentieren, Amerikaner müssten den Gürtel enger schnallen. Das ist eine interessante Diskussion, besonders zu einer Zeit, da die Arbeitslosenquote noch immer bei acht Prozent liegt (die Ziffer sank zuletzt, weil viele Arbeitslose beschlossen haben, nicht mehr zu suchen und nicht mehr gezählt werden). Voreilige Sparmaßnahmen werden kaum dazu beitragen, der Wirtschaft einen Weg zurück zu einer höheren Beschäftigungsquote zu ebnen.
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Wie sieht es aber mit der staatlichen Unterstützung für die großen Banken aus? Nimmt diese angesichts des aktuellen Finanzdrucks ab? Leider nicht. Die staatliche Unterstützung bleibt unverändert, indirekt dadurch, dass es Banken gestattet wird, systemrelevant zu sein - too big to fail -, direkt durch alle möglichen Subventionen der US-Notenbank.
Die Begründung - oder besser die Ideologie -, die hinter der Unterstützung großer Banken steckt, ist, dass sie für die Erholung der Wirtschaft notwendig seien. Aber diese Argumentation ist recht zweifelhaft, wenn die Banken auf Bergen von Bargeld sitzen, während kreditwürdige Verbraucher und Unternehmen bei der Kreditaufnahme zurückhaltend sind.

Teil 2: Situation in Europa noch schlimmer

  • FTD.de, 27.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 07.01.2012 12:02:29 Uhr   vriegel: @ Schmidt - unfähig Konseuenzen zu ziehen?

    Einfach gesagt. Wenn eine Situation einmal derart vertrackt ist, dann gibt es keine einfachen Wege, um daraus wieder heraus zu kommen. Auch für Deutschland nicht, weil wir ja in dem System mitspielen (müssen), da wir ansonsten wohl über kurz oder lang (zumindest wirtschaftlich) übernommen werden würden...

    Mehr Regulierung ist dringend notwendig. Aber wo ansetzen? agiert man zu ungeschickt, kann das Kartenhaus schnell zusammen brechen, mit katastrophalen Folgen. Dazu kommt noch, dass viele Akteuer auf dem Feld sind, alle mit unterschiedlichen Interessen.

    Eine weltweite Transatktionssteuer könnte helfen das ganze System etwas einzudämmen, wäre aber allenfalls ein Anfang. Und was machen mit dem vielen Geld? Wer sollte es überhaupt einziehen? Entshtene da nicht neue Begehrlichkeiten der Politik? Wo und wie das Geld anlegen? In "sichere" Staatsanleihen um dadurch die Finanzierungsprobleme der Staaten zu lösen??

    Ein "Zerschlagen" der Großbanken würde nur funktionieren, wenn das alle auf der Welt machen würden. Wohl nicht darstellbar. Regulierung des Derivatemarktes? Wird sicehr kommen aber auch da wird das nur für die Zukunft was bringen. Die aktuell scharfen Bomben entschärft das nicht..

    Es gibt ja auch den Vorschlag die Banken generell aus dem System zu nehmen. Also dass die Zentralbanken direkt das Geld "schaffen" und die Banken nur noch Dienstleister werden. Das wäre sicher eine gute Idee, dürfte aber in der Praxis genausowenig weltweit durchsetzbar sein, wie die Zerschlagung aller Großbanken.

    Und das bspw. nur auf europäischer Ebene zu machen sollte man sich gut überlegen. Zumal man sich dann überlegen müsste, wie man so eine Umstellung vornimmt. In jedem Fall müsste die Konkurrenzfähigkeit des Systems weltweit erhalten bleiben.

  • 07.01.2012 11:42:43 Uhr   vriegel: @ Max Zuwax
  • 02.01.2012 13:19:50 Uhr   John Doe: @khaproperty
  • 01.01.2012 17:07:48 Uhr   khaproperty: Johnson ist auch nicht ehrlich.
  • 01.01.2012 16:40:39 Uhr   John Doe: @Hört auf Fraktion
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