An den Aktienmärkten grassiert derzeit die nackte Angst. Auch in der kommenden Woche dominieren die Sorgen um Staatsverschuldung und Wachstumsabkühlung - zusätzlich angefeuert durch die Herabstufung der USA.
von Doris GrassFrankfurt
Die Furcht vor einer weltweiten Wachstumsabkühlung und die Sorgen um die Staatsverschuldung auf beiden Seiten des Atlantiks geben auch diese Woche den Takt für die Finanzmärkte vor. Eine neue Dimension hat die Debatte durch die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's erhalten, den USA ihre Topnote "AAA" abzuerkennen. Nun schauen die Anleger besorgt auf die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank Federal Reserve (Fed).
Nachdem die extreme Welle der Risikoscheu vergangene Woche dazu geführt hat, dass die Marktteilnehmer so gut wie alle Wertpapiere verkauften, die auch nur ein geringfügiges Kreditrisiko aufweisen, kann nach Auffassung zahlreicher Analysten und Strategen nur noch ein entschlossenes Handeln der EZB bei den Investoren wieder Vertrauen schaffen.
Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Marktstimmung von allein wieder aufhellt, schreiben die Analysten der DZ Bank in ihrem Wochenausblick. "Unseres Erachtens bedarf es einer starken Selbstverpflichtung der EZB zu Staatsanleihekäufen, um den anhaltenden Spekulationen Herr zu werden und zumindest für eine gewisse Stabilisierung am Rentenmarkt der EU zu sorgen."
Bei einer weiteren Eskalation der Situation sei demnach nur die EZB in der Lage, weiteren Schaden von den Finanzmärkten in überschaubarer Zeit abzuwenden. Wenn in den kommenden Tagen nichts passiere, könnte die Unsicherheit an den Finanzmärkten noch weiter zunehmen, fürchten die Experten. Die Zentralbank könne ohne Verzögerung am Sekundärmarkt aktiv werden, und letztlich stünden ihr für die Käufe unbegrenzt Gelder zur Verfügung. Von der allgemeinen Wirtschaftspolitik in Europa erwarten die Banker wenig, und der EU-Rettungsschirm EFSF sei derzeit (noch) nicht in der Lage, Staatsanleihen zu kaufen.
Und offenbar ist die EZB bereit zu handeln: Laut Informationen aus gut informierten Kreise ist wollen die Währungshüter italienische Bonds kaufen, wenn das Land im Gegenzug seine Reformen beschleunige. Berlusconi solle schneller Sozialreformen und Haushaltskonsolidierung in Aussicht stellen. Erst dann wolle die EZB tätig werden. Das Entgegenkommen Italiens ist bereits gesichtert: Am Abend kündigte Berlusconi an, dass er bereits 2013 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen wolle.
EZB-Chef Trichet: Mit seiner Rede die Märkte verschreckt
Besondere Aufmerksamkeit der Märkte gilt zudem der geldpolitischen Sitzung der US-Notenbank am Dienstag. Die Fed dürfte den Leitzins zwar bei 0,25 Prozent belassen. Mit Spannung wird aber erwartet, wie die Währungshüter die US-Konjunktur einschätzen und ob sie Andeutungen machen, dass sie der Wirtschaft mit einem dritten Anleihekaufprogramm unter die Arme greift. Angesichts der weiterhin sehr mauen Wirtschaftsentwicklung und der nach wie vor angespannten Lage auf dem US-Arbeitsmarkt wurden zuletzt die Rufe nach solchen Käufen immer lauter.
Notenbankchef Ben Bernanke selbst hatte weitere geldpolitische Lockerungen - im Finanzmarktjargon "Quantitative Easing" (QE) genannt - zuletzt nicht ausgeschlossen. Die US-Arbeitsmarktdaten für Juli vom Freitag verpufften, obwohl außerhalb der Landwirtschaft 117.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und damit rund 30.000 mehr als erwartet. Diese Woche werden die Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen weiteren Aufschluss über den Zustand der US-Wirtschaft geben.
Vergangene Woche litten nicht nur die hoch verschuldeten Euroländer Griechenland, Irland, Portugal, Spanien und Italien unter teilweise dramatisch steigenden Zinsen. Auch die Risikoprämien von Ländern mit der Spitzenbonitätsnote "AAA" wie Frankreich legten deutlich zu. Zugute gekommen ist dies den Bundesanleihen. Momentan wird nur ihnen das zugebilligt, was alle suchen: die beste Bonität und die allerhöchste Liquidität. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen rutschten seit Anfang Juli um rund 65 Basispunkte ab.
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