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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

Merken   Drucken   27.02.2011, 18:18 Schriftgröße: AAA

Das Kapital: Ein paar lästige Details zum Aufschwung

Exportnachfrage gleich China, Arbeitsmarktaufschwung gleich Einkommenssprünge, Ifo-Rekorde gleich Investitionsboom. Das hört man so oft, dass es einfach stimmen muss. Nicht wahr?
Irgendwie passen Wirtschaftsanekdoten und -daten nicht recht zusammen. Werfen wir einen Blick auf die saisonbereinigten Zahlen der Bundesbank, die nunmehr allesamt bis Dezember 2010 vorliegen, und rechnen durchgehend mit gleitenden Drei-Monats-Durchschnittswerten, um die volatilen Reihen zu glätten.
Dabei fällt beispielsweise auf, dass die realen Wareneinfuhren seit Juni quasi stagnieren. Ist Deutschland nicht die Konjunkturlokomotive der Erde? Schaut man weiter auf die regional untergliederte Außenhandelsstatistik, so springt ins Auge, dass die Warenausfuhren nach Europa seit Juni um 6,1 Prozent zugenommen haben, während sie außerhalb Europas nur um 2,6 Prozent zugelegt haben (Asien 3,3, USA 1,2).
Reales Einkommen der privaten Verbraucher in Deutschland   Reales Einkommen der privaten Verbraucher in Deutschland
Der Warenüberschuss mit Europa ist seit Juni um 19 Prozent gestiegen, jener mit dem Rest der Welt um fast acht Prozent gefallen. Die Regionaldaten sind nominal, ja. Doch scheint auch die These eines durch China und Amerika getragenen Exportaufschwungs arg kurz zu greifen. Das Warenhandelsdefizit mit China ist 2010 übrigens um 3,5 auf 22,9 Mrd. Euro geklettert.
Kommen wir also zum angeblichen Traumweihnachtsgeschäft im deutschen Einzelhandel. Den offiziellen Daten zufolge ist der reale Umsatz im vierten Quartal um 0,3 Prozent geschrumpft (1,1 Prozent ohne Kfz). Laut BIP-Bericht ergibt sich für den gesamten Privatkonsum immerhin ein Plus von 0,2 Prozent. Selbst dafür hat es allerdings eines Rückgangs der Sparquote bedurft.
Wie war das noch mit dem brummenden Arbeitsmarkt? Unterm Strich ist das reale verfügbare Einkommen bloß um 1,5 Prozent höher als im Vorjahr - bei einem Beschäftigungsplus von einem Prozent. Reden wir also nicht über die Qualität des Stellenaufbaus, über Rentner, Sozialhilfeempfänger, prekäre Arbeitsverhältnisse und echte Unterbeschäftigung. Denn mit den demografischen Brüchen wird der Reallohnanstieg schon noch kommen. Doch ob jene, die derzeit davon schwärmen, dies dann immer noch tun werden?
Schließlich noch ein Wort zu den Investitionen, die unter der Schwäche des Baus gelitten haben. Frage: Sind Einbruch und Niveau der Bauaufträge im vierten Quartal eigentlich auch dem Wetter geschuldet? Und was ist mit den Ausrüstungen, die sich auf gerade mal sieben Prozent des BIPs belaufen, wobei etwa die Inlandsbestellungen im Maschinenbau wohl kaum auf eine bevorstehende Sause hindeuten? Versteht man das heute unter einem Boom?
Es geht hier nicht darum, Fortschritte zu leugnen. Aber der Rummel, der wegen der diversen Firmen- und Verbraucherumfragen veranstaltet wird, ist mit Blick auf die echten Zahlen mehr als albern. Das BIP ist auf dem Niveau vom vierten Quartal 2007. Was, bitte schön, gibt es denn da zu bejubeln?
  • Aus der FTD vom 28.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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