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  FTD-Serie: Wissen, was die Märkte bewegt

Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.

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  08.09.2009, 20:18    

Das Kapital: Es ist nicht zu fassen

Die US-Wirtschaft ist völlig aus dem Lot geraten, US-Aktiva gehören zu den unattraktivsten der Welt, die Chinesen bekunden ihren Unmut immer kecker, doch der Dollar gilt als sicherer Hafen. Irgendwas müssen wir hier übersehen.
Fassen wir zusammen: Im ersten Quartal saßen Verbraucher, Firmen, Staat und Finanzwesen in der größten Volkswirtschaft der Erde zusammengenommen auf Schulden von 359 Prozent des nominalen BIPs (neue Schuldendaten kommen nächste Woche). Im zweiten Quartal hat diese Ökonomie bloß 14,7 Prozent des - schrumpfenden - BIPs investiert, gegenüber einem Nachkriegsdurchschnitt von 20 Prozent. Obwohl dieses Land also gut fünf Prozent des BIPs unter Norm in Ausrüstungen, Immobilien, Straßen und Vorräte angelegt hat, hat es annualisierte Nettoexporte von minus 338,7 Mrd. $ verzeichnet.
In der weitesten offiziellen Abgrenzung, die immer noch nicht jene enthält, die den Kopf vollends in den Sand gesteckt haben, ist die Arbeitslosenquote auf 16,8 Prozent gestiegen. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten keine vier Prozent der Bevölkerung mehr, im unterentwickelten Gesundheits- und Sozialwesen hingegen 5,3 Prozent. Die Zentralbank wirft mit Billionenbeträgen um sich, indem sie nicht nur private Kredite aufkauft, sondern auch Staatsanleihen. Gemessen am Dreimonatsgeldsatz ist die Refinanzierung in der Währung dieses Landes mit 0,3 Prozent inzwischen günstiger als im Yen.
Nur eine Richtung für den Greenback   Nur eine Richtung für den Greenback
Auf zehn Jahre bieten die Staatsanleihen dieses Landes mit 3,4 Prozent weniger Rendite als jene Frankreichs, das eine gesamtwirtschaftliche Bruttoersparnis aufweist, die mit rund 20 Prozent des BIPs in etwa doppelt so hoch ist wie jene des Emittenten der Weltreservewährung. Am Unternehmenswert gemessen kosten die Aktien unserer Ökonomie das 1,4-fache des Umsatzes - gegenüber 0,8 in Deutschland. Das bedeutet, dass die Firmen in der größten Krise seit Jahrzehnten eine operative Marge von 14 Prozent erzielen müssen, um den Ebit-Multiplikator auf zehn zu drücken.
Privatimmobilien scheinen inzwischen erschwinglich, doch was heißt das schon, wenn 59 Prozent des gesamten Wohnungsbestands beliehen sind? Der Hauptfinanzier unserer Ökonomie, das Schwellenland China, hat jedenfalls die Nase gestrichen voll von der Weltreservewährung. Am Devisenmarkt gilt die Währung der größten Ökonomie hingegen als "sicherer Hafen". Es ist nicht zu fassen.
  • Aus der FTD vom 09.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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