Rückschlag für die Bemühungen um eine Beilegung der Schuldenkrise: Die Ratingagentur Moody's entzieht Frankreich die Topbonität. Moody's stufte die Kreditwürdigkeit des Euro-Landes um eine Note von "Aaa" auf "Aa1" herab. Der Ausblick bleibt negativ, damit droht eine weitere Abstufung.
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Die Agentur würde Frankreichs Bonitätsnote weiter senken, wenn sich der Wirtschaftsausblick verschlechtere oder der Reformkurs in Schwierigkeiten gerate, sagte Moody's Frankreich-Analyst Dietmar Hornung am Dienstag. Schließlich basierten der Haushalt 2013 und die mittelfristigen Pläne des Euro-Landes auf optimistischen Wachstumsprognosen. Der finanzielle Ausblick sei unsicher. Es sei immer weniger berechenbar, wie Frankreich künftige Schocks in der Euro-Zone verkrafte. Die jüngste Reforminitiative für mehr Wettbewerb sei allerdings ein Schritt in die richtige Richtung und habe dazu beigetragen, dass Moody's die Bonitätsnote des Landes nicht noch weiter gesenkt habe.
Der Euro reagierte kaum auf die Abstufung Frankreichs. Im frühen Handel kletterte die Gemeinschaftswährung zeitweise über die Marke von 1,28 US-Dollar, erreichte ein Tageshoch bei 1,2815 und stand damit fast auf dem Niveau von vor der Herabstufung. Am Morgen fiel der Euro aber wieder etwas zurück und stand zuletzt bei 1,2798 Dollar.
Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici reagierte mit Kritik auf die Entscheidung von Moody's. Die Herabstufung stelle die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes nicht infrage, so Moscovici. Die Pariser Regierung halte an ihren Reformvorhaben fest. Zudem stimme er nicht mit dem Urteil der Ratingagentur über den französischen Bankensektor überein. Die Institute des Landes seien grundsolide, betonte Moscovici.
Ein Analyst zeigt sich überrascht vom Timing der Ratingagentur. "Die jüngsten Zahlen zum dritten Quartal sind besser als erwartet. Zudem hat Frankreich bereits auf den Bericht des Regierungsbeauftragten und früheren EADS-Chefs Louis Gallois reagiert und eine Senkung der Lohnnebenkosten für Unternehmen angekündigt. Das werte ich als positiven Schritt in Richtung Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit", schrieb Tristan Cooper, Analyst für Staatsanleihen bei Fidelity Worldwide Investment.
Ein schlechteres Rating kann die Geldbeschaffung am Kapitalmarkt erschweren und verteuern. Die Abwertung wirkt besonders schwer, weil Frankreich zu den größten Volkswirtschaften der Euro-Zone gehört. Auch das deutsche Spitzenrating steht bei Moody's unter Beobachtung.
Ratingagenturen stehen für ihr Verhalten in der Finanzkrise in der Kritik, weil sie einerseits die Krise durch Herabstufungen befördern und andererseits die Vergabekriterien für Bonitätsnoten intransparent sind. So werden die USA trotz einer kumulierenden Verschuldung weiterhin mit dem Toprating "AAA" benotet.
Wegen der negativen Aussichten für die Spitzennote der vier Schwergewichte Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die Niederlande, die am meisten zum EU-Haushalt beitragen, hatte Moody's zuletzt die EU vor einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit gewarnt.