Will der Mitarbeiter eines Unternehmens mal eben eine neue Software, eine Applikation oder auch nur eine Variante der laufenden Programme ausprobieren, muss er sein Vorhaben in der Regel im firmeneigenen Rechenzentrum beantragen. "Die Einrichtung einer passenden Umgebung kann Wochen dauern", sagt Martin Niemer, Solution Manager beim Softwareanbieter VMware. Und sie führt zu hohen Kosten. Im Zweifel lässt der Mitarbeiter es bleiben, die mögliche Innovation wird nicht umgesetzt.
Um Szenarien wie diese zu vermeiden, bieten viele Cloud-Betreiber Testfelder an. Dort, in einer IT-Wolke, kann der Mitarbeiter externen Speicherplatz sowie Rechenleistung anfordern und nach Lust und Laune ausprobieren, was ihm vorschwebt, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. Selbst eine komplette IT-Umgebung für das Unternehmen kann hier einen Testlauf starten.
Die Anbieter stellen dafür virtuelle Maschinen bereit, auf denen die Unternehmen sich austoben können. Mit Speicherplatz und Rechenleistung ist es dabei aber nicht getan. Die Cloud muss Entwicklungswerkzeuge in den gängigen Programmiersprachen wie Java, PHP, Ruby oder der Sprache R bereitstellen, die für statistisches Rechnen entwickelt wurde. Dazu kommen Debugger, die helfen, falsche Einträge zu entfernen, außerdem Generatoren für die Testdaten. Schließlich sollte ein Benchmarking verfügbar sein, das ermittelt, was der neue Dienst leisten kann.
Für Tobias Geber-Jauch, Chief Technology Officer (CTO) beim Kerpener IT-Unternehmen Computacenter, gibt es "drei typische Formen der Nutzung externer Testplattformen". Wenn Unternehmen die Angebote Cloud-basierter Entwicklungssysteme in Anspruch nehmen, können sie sich erstens an spezielle Anbieter wenden, die sich explizit als Testplattformen verstehen. Dazu zählen Acculogic, ein amerikanisches Unternehmen, das Firmenprogramme testet, oder Gliffy, ein netzbasierter Editor, auf dem sich Diagramme erstellen lassen. Die ebenfalls in den USA ansässige Firma hat einst selbst auf einer Test-Cloud angefangen. VMware hat mit Cloudfoundry eine eigene sogenannte Open Platform as a Service eingerichtet, "eine offene Spielwiese für Entwickler", sagt Niemer. Dominierend ist aber auch auf diesem Gebiet Microsoft , dessen Dienst Azure als umfassende Testumgebung für Softwareentwickler gilt.
Etablierte Unternehmen fahren aber auch oft, dies ist die zweite Alternative, gleichzeitig ihr bisheriges Live-System und dazu ein neues Testsystem auf der eigenen Private Cloud. Mittels einer Cloud Bridge bleiben beide Systeme in ständigem Austausch. Ein Vorgehen, das auch die Entwicklung des Web 2.0 kennzeichnete. Der wohl bekannteste Fall, bei dem das Live-System immer weiter durch getestete Elemente verbessert wurde, ist Flickr. Das Fotoportal lief jahrelang als Betaversion, die ständig neue Updates erhielt.
Als dritte Option lässt sich das komplette IT-System auf eine externe Test-Cloud spielen. "Solche Testsysteme können schnell zu Produktionssystemen werden, deshalb sind Backups wichtig", sagt Niemer. Der Vorteil: Am Ende der Testreihen können die Systeme ganz auf der Cloud verbleiben. "Dies ist natürlich die Motivation der Anbieter", sagt Computacenter-CTO Geber-Jauch. Vor allem kleine Unternehmen und Startups wählen nach seiner Erfahrung diese Lösung, während sich größere Firmen noch zurückhalten und die neuen Programme wieder auf ihre eigenen Server spielen.
Diejenigen Unternehmen, die Cloud-Computing noch gar nicht verwenden, können als ersten kleinen Schritt etwa das Angebot des Hamburger Unternehmens Teamdrive wahrnehmen. Es funktioniert wie die Dropbox, es lassen sich Daten im Netz ablegen. Aber anders als die Dropbox garantiert Teamdrive den Schutz und die Sicherung aller Daten. Vielleicht hilft dies, einen Zustand abzumildern, den VMware-Manager Niemer so beschreibt: "Es ist erschreckend, wie oft IT-Verantwortliche gar nicht wissen, in welchem Ausmaß die Mitarbeiter Clouds in Anspruch nehmen."