Google-Umsatz
"Der Stimmungsumschwung hat damit zu tun, dass Cyberspace-Vertreter traditionell allem, was groß und mächtig ist, misstrauisch gegenüberstehen", sagt Paul Saffo, Leiter des "Institute for the Future" im Silicon Valley. Im letzten berichteten Quartal hat sich der Umsatz von Google auf 1,3 Mrd. $ verdoppelt, der Nettogewinn war mit 343 Mio. $ mehr als viermal so groß wie im Jahr zuvor. Die Marktmacht ist beispiellos: Laut US-Marktforscher Websitestory werden 52 Prozent aller aufgerufenen Internetseiten über einen Verweis von Google erreicht - mehr als doppelt so häufig wie über die Nummer zwei der Branche,
Yahoo. Rasantes Wachstum
Und das Wachstum geht rasant weiter: Für große Unruhe sorgte die Bekanntmachung des Konzerns, für weitere 4 Mrd. $ Aktien verkaufen zu wollen. Zusammen mit den vorhandenen Reserven von gut 7 Mrd. - wozu? Die knappe Erklärung von Google lautete "allgemeine Unternehmenszwecke". Auch Übernahmen gehören dazu. Dass man Google mittlerweile alles zutraut, machten die anschließenden Spekulationen von Branchenexperten deutlich: Schließlich hat sich der Informationsgigant bereits Satellitenfotos, Luftaufnahmen und Gebäudedaten aus der ganzen Welt beschafft, um sie kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nun wird sogar über den Kauf eines eigenen globalen Datennetzes gemutmaßt. Auch von einer groß angelegten Expansion nach China ist die Rede. Die "Business Week" spekulierte, Google könne beginnen, eigene Handys zu bauen. So weit reicht die Unsicherheit darüber, wo der Internetriese seinen Einfluss demnächst geltend machen wird.
Saffo warnt, dass keiner - nicht einmal das Google-Management - genau wisse, wohin sich der expandierende Konzern mit so hoher Geschwindigkeit entwickle. Es sei eine Firma mit unendlich mächtigen Werkzeugen, sagt der Zukunftsforscher und orakelt dunkel: "Werkzeuge haben keine Moral!" Er fügt hinzu: "Viele fürchten, dass die Washingtoner Regierung und große Firmen die von Google gesammelten Informationen nutzen werden - ob Google das will oder nicht."