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Merken   Drucken   28.08.2005, 21:31 Schriftgröße: AAA

Agenda: Bedroooooooohlich

Die Angst vor der Macht der Suchmaschine wächst. Verliert Google das Vertrauen der Internetnutzer, verliert es sein Geschäftsmodell. Auch in der Branche steigt der Groll. von Helene Laube, San Francisco, und Martin Virtel, Hamburg
Der Firmensitz von Google, Mountain View, Kalifornien   Der Firmensitz von Google, Mountain View, Kalifornien
Die beliebteste Internet-Suchmaschine der Welt ist gefährlich. Und jeder kann Googles  nächstes Opfer werden. Diese Erfahrung musste der Amerikaner Eric Schmidt machen, als er auf einer Website intime Details aus seinem Privatleben entdeckte: Hobbys, Wohnort, Vorname seiner Frau, sein politisches Engagement für die Demokraten, seine letzten - recht ertragreichen - Wertpapiergeschäfte. Binnen 30 Minuten sei das Material zusammengegoogelt worden, verkündete die Autorin stolz, eine Journalistin aus Kalifornien, die einen Artikel über die Gefahren von Google für die Privatsphäre recherchiert hatte. Schmidt war entrüstet. Doch er konnte sich nicht wehren. Das Wissenswerte aus seinem Leben war dank Google längst für jedermann im Netz zu finden.
Herr Schmidt ist kein Einzelfall. Doch Herr Schmidt ist ein aufsehenerregender Fall: Denn er ist Chef von Google. Und in dieser Funktion beschwor er die sagenhafte Informationsmacht seiner Firma noch im Frühjahr mit den Worten: "Wenn wir über das Organisieren aller Informationen dieser Welt sprechen, dann meinen wir alles, verfügbar für alle." Nun hat Eric Schmidt die Furcht erregenden Folgen seines eigenen Erfolgs kennen gelernt.
Stimmung schlägt um
Die Episode ist typisch für die Schwierigkeiten, die Google sich derzeit selbst mit seinem rasanten Wachstum bereitet. Gut ein Jahr nach seinem spektakulären Börsengang dreht sich das Image des freundlichen, verspielten, von zwei genialen Studienabbrechern gegründeten Startup-Unternehmens. Harmlosigkeit bestimmte das Bild des Konzerns bislang. "Do no evil", lautet der Unternehmensleitsatz: "Tu nichts Böses." Doch seine gnadenlose Vorherrschaft gegenüber allen anderen Suchmaschinen, sein Expansionskurs und sein unbeirrt steigender Aktienkurs haben aus dem Spätstarter einen Milliardenkonzern gemacht, der nicht mehr nur verehrt und beneidet, sondern angefeindet wird.
Google-Umsatz   Google-Umsatz
"Der Stimmungsumschwung hat damit zu tun, dass Cyberspace-Vertreter traditionell allem, was groß und mächtig ist, misstrauisch gegenüberstehen", sagt Paul Saffo, Leiter des "Institute for the Future" im Silicon Valley. Im letzten berichteten Quartal hat sich der Umsatz von Google auf 1,3 Mrd. $ verdoppelt, der Nettogewinn war mit 343 Mio. $ mehr als viermal so groß wie im Jahr zuvor. Die Marktmacht ist beispiellos: Laut US-Marktforscher Websitestory werden 52 Prozent aller aufgerufenen Internetseiten über einen Verweis von Google erreicht - mehr als doppelt so häufig wie über die Nummer zwei der Branche, Yahoo. 
Rasantes Wachstum
Und das Wachstum geht rasant weiter: Für große Unruhe sorgte die Bekanntmachung des Konzerns, für weitere 4 Mrd. $ Aktien verkaufen zu wollen. Zusammen mit den vorhandenen Reserven von gut 7 Mrd. - wozu? Die knappe Erklärung von Google lautete "allgemeine Unternehmenszwecke". Auch Übernahmen gehören dazu. Dass man Google mittlerweile alles zutraut, machten die anschließenden Spekulationen von Branchenexperten deutlich: Schließlich hat sich der Informationsgigant bereits Satellitenfotos, Luftaufnahmen und Gebäudedaten aus der ganzen Welt beschafft, um sie kostenlos zur Verfügung zu stellen. Nun wird sogar über den Kauf eines eigenen globalen Datennetzes gemutmaßt. Auch von einer groß angelegten Expansion nach China ist die Rede. Die "Business Week" spekulierte, Google könne beginnen, eigene Handys zu bauen. So weit reicht die Unsicherheit darüber, wo der Internetriese seinen Einfluss demnächst geltend machen wird.
Saffo warnt, dass keiner - nicht einmal das Google-Management - genau wisse, wohin sich der expandierende Konzern mit so hoher Geschwindigkeit entwickle. Es sei eine Firma mit unendlich mächtigen Werkzeugen, sagt der Zukunftsforscher und orakelt dunkel: "Werkzeuge haben keine Moral!" Er fügt hinzu: "Viele fürchten, dass die Washingtoner Regierung und große Firmen die von Google gesammelten Informationen nutzen werden - ob Google das will oder nicht."

Fatale Folgen für das Unternehmen

  • Aus der FTD vom 29.08.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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