Philipp Graf von Hardenberg, Gründer des Nordsee College Sylt
Das hat ihn mutig gemacht. Als Hardenberg Louisenlund im Streit verließ, wollte er "was Eigenes machen, was Besseres". 2007, im Urlaub auf Sylt, hörte er, dass die ehemalige Kaserne in List zum Verkauf steht. Er schnappte sich ein Fahrrad und fuhr in Badeshorts einmal rund um das Gelände. "Ich wusste sofort: Das ist es!"
Doch es sollte noch vier Jahre dauern von der Radtour bis zur Genehmigung des Bauantrags. Erst musste die Nutzung mit der Gemeinde geklärt werden, dann zogen sich die Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hin, die zunächst 5 Mio. Euro für das Gelände haben wollte. Dann musste Hardenberg Investoren finden, die eine Schule unterstützen. Die Banken drängten schließlich auf eine Zweitnutzung der Kaserne, falls der Schulbetrieb nicht läuft. Das wiederum sorgte in List für Aufruhr. Die Einwohner fürchteten wahlweise eine Elite-Einrichtung oder eine riesige Investorenbrache, falls das Geld ausgeht. Seit wenigen Wochen ist nun alles geklärt - auch wenn nach wie vor Zweifel an dem Projekt bleiben.
Seit Jahren ist in Deutschland kein Internat neu gegründet worden. Das liegt auch an der gesunkenen Nachfrage: Durch die Finanzkrise können es sich viele Familien nicht mehr leisten, ihr Kind ins Internat zu geben. Und wer es sich leisten kann, schickt den Nachwuchs oft lieber nach England, der Sprache wegen. Dazu kamen die Missbrauchsskandale. Und schließlich erwächst den Internaten durch den Ausbau von Ganztagsschulen bundesweit eine preiswerte Konkurrenz. Wer in diesen schrumpfenden Markt geht, kann nur durch Verdrängung gewinnen. Das Sylter Internat greife ganz klar Louisenlund an, sagt Detlef Kulessa, Geschäftsführer der Internatsberatung Töchter & Söhne. Er hält das Nordsee College jedoch für "gewagt", zumal es nur das deutsche Abitur anbieten will und nicht das Internationale Bakkalaureat (IB). "Mit IB wären die Erfolgschancen deutlich höher", sagt Kulessa, "dafür gibt es eine hohe Nachfrage."
Hardenberg aber setzt andere Akzente, er will mehr Pädagogik als Internationalität. Weil er selbst kein Pädagoge ist, hat er sich eine Reihe prominenter Fachleute dazugeholt: den Hirnforscher Gerald Hüther etwa oder den dänischen Familientherapeuten Jesper Juul. "Wir brauchen Leute, die uns beraten" , sagt Hardenberg, "die nicht nur herumreden, sondern mitmachen - und die sich auch vermarkten lassen." Die ganzheitliche Lernkonzepte entwickeln, die Schüler zur Selbstwirksamkeit befähigen, die ihnen als Lerncoaches und Aktivcoaches zur Seite stehen.