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Merken   Drucken   31.01.2012, 06:00 Schriftgröße: AAA

Unternehmensführung: Ein guter Chef ist kein Kumpeltyp

Manager sollten sich zum Ziel setzen, ein angenehmes und geselliges Arbeitsumfeld zu schaffen. Wie aber umgeht man, zum Freund der Mitarbeiter zu werden, anstatt ihr Chef zu bleiben? Die richtige Strategie für ein gutes Arbeitsklima im Überblick.
© Bild: 2010 Getty Images
Manager sollten sich zum Ziel setzen, ein angenehmes und geselliges Arbeitsumfeld zu schaffen. Wie aber umgeht man, zum Freund der Mitarbeiter zu werden, anstatt ihr Chef zu bleiben? Die richtige Strategie für ein gutes Arbeitsklima im Überblick. von Rhymer Rigby
Wie behandele ich Mitarbeiter?
Beliebt zu sein und geachtet zu werden schließen einander nicht aus. "Das Problem ist, wir neigen dazu, Führungskräfte aufgrund ihrer fachlichen Kompetenzen auszuwählen, nicht aufgrund ihrer persönlichen und sozialen Kompetenzen", sagt Cary Cooper, Professor für Wirtschaftspsychologie an der Lancaster University Management School. "Täten wir das, gäbe es weniger Stress und bessere Arbeitsmoral und Produktivität."
Weiter sagt Cooper, man sollte durchaus den Menschen zuhören, wenn sie über ihr Privatleben sprechen, und keine Angst haben, selbst ein wenig von sich preiszugeben. "Es besteht eine psychologische Abmachung", sagt er. "Die besagt: 'Ich bin menschlich, aber du musst eine Leistung liefern.' Die Loyalität, die man zurückbekommt, ist enorm."
Antoinette Oglethorpe von der Karriereberatung Workmaze sagt: "Das Beste, was man als Chef tun kann, ist, Wertschätzung zu zeigen. Oft geben die Leute einfach kein positives Feedback. Nicht sagen: 'Super, saubere Arbeit', sondern eher: 'Sie haben etwas bewirkt, und das ist der Grund'."
Auch sollte man darauf hinarbeiten, dem Personal ein wirkliches Gefühl der Verantwortung zu vermitteln. Der Vorgesetzte sollte die Mitarbeiter nach ihrer Sichtweise zu Entscheidungen fragen und den Zusammenhang dessen erklären, was gerade geschieht. Auch sollte den Mitarbeitern das Ganze etwas bringen, sei es in Form günstiger Optionen oder einer Gewinnbeteiligung.
Obst und Kaffee kostenlos anzubieten macht das Büro zu einem besseren Ort. Es gibt aber noch andere kleine Dinge, die man als Manager tun kann. "Bei Mitarbeitern, die überdurchschnittliche Leistung erbringen, sollte man mit der Zeiterfassung flexibel sein", sagt Hannah Stratford vom Personalberatungsunternehmen ETS. "Muss jemand um 16.30 Uhr zum Fußball, sollte man ihn gehen lassen. Ebenso muss man bei Minderleistern 'Nein' sagen."
"Es ist sehr einfach, sich mit den eigenen Untergebenen anzufreunden", so Stratford. Der moderne Arbeitsplatz mit seinen informellen Netzwerken und Beziehungen als Möglichkeit, die Arbeit zu erledigen, ermutige praktisch dazu, sagt sie weiter.
In mancherlei Hinsicht entspricht das Klima, das man schaffen möchte, eher dem einer glücklichen Familie mit einem Oberhaupt als einer sozialen Gruppe Ebenbürtiger. "Es empfiehlt sich, Entscheidungen zu fällen, für die die Mitarbeiter auf lange Sicht dankbar sind, nicht kurzfristig", sagt Oglethorpe.
"Manchmal muss sich ein Manager einfach in unbequemen Situationen wohlfühlen", sagt Stratford. "Vielleicht muss man Informationen vorenthalten oder mit anderen Managern Kollektiventscheidungen treffen, die für das Unternehmen das Beste sind, aber nicht für die Mitglieder des eigenen Teams." Weiter sagt sie: "In meinen Augen kann man selbst in formale Prozesse wie der Entlassung ein persönliches Element einbringen."
Cooper sagt, in diesen Fällen ernte man oft die Früchte einer guten Beziehung: "Muss man den Mitarbeitern schlechte Nachrichten überbringen, nehmen sie sie wahrscheinlich besser auf, wenn sie wissen, dass man mitfühlt."
Aus: The Financial Times, London. www.ft.com
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