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Merken   Drucken   01.10.2010, 13:00 Schriftgröße: AAA

Weiterbildung: Studierende wollen Reform der Manager-Ausbildung

Wer heute seinen MBA in Deutschland absolviert, will mehr als ein Zertifikat für die Bürowand. Führungskompetenz, Ethik und Nachhaltigkeit sollten den Lehrplan stärker als bisher bestimmen. Außerdem fordern die Nachwuchskräfte mehr Praxisnähe. von Sabine Meinert 
Eine Umfrage unter 700 MBA-Studenten, Absolventen und Interessierten zeigt: Mehr als zwei Drittel wünschen sich eine Reform der Management-Ausbildung. Die aktuelle Diskussion um die Finanzkrise und die von US-Business-Schools geprägten Manager hat die Nachwuchskräfte zwar eher wenig beeindruckt. Ihre Einstellung zum MBA hat sich mehrheitlich nicht geändert. Dennoch sehen sie deutlichen Änderungs- und Verbesserungsbedarf für eine zeitgemäße Ausbildung.
MBAs mit zeitgemäßeren Inhalten sollen zum Karrieresprung verhelfen   MBAs mit zeitgemäßeren Inhalten sollen zum Karrieresprung verhelfen
Vor allem in Sachen Führungskompetenz sehen die Befragten ein Manko - bei diesem Thema wollen 84 Prozent der Führungskräfte von morgen mehr lernen. Wie das geschehen soll, darüber sind sich die Befragten auch weitgehend einig: Drei Viertel plädieren für eine kritische Auseinandersetzung mit Führungstheorien. Außerdem müsse systemisches Denken trainiert werden. Auch Assessments über eigene Werte, Haltungen und Motivationen könnten die Kompetenz auf diesem Feld erweitern, so die Teilnehmer.
Ethik, Nachhaltigkeit, Work-Life-Balance
Zwei Drittel der Studierenden erwarten zudem, dass Ethik und Nachhaltigkeit mehr und mehr in die Lehrpläne rücken. Sie finden, diese Themen müssten verstärkt als Grundprinzipien erfolgreicher Führung verankert werden. Drei von vier wollen in der Ausbildung das Fach "Corporate Social Responsibility" verankert sehen, da die soziale Verantwortung von Unternehmen wachse, so die Überzeugung der Befürworter.
Auch über Work-Life-Balance sollte nicht nur oberflächlich geredet werden finden zwei Drittel - vielmehr sollte das Thema ebenso zum Kern des MBA-Studiums gehören wie die Unternehmenskultur. Die Studenten erhoffen sich, in den Lehrphasen darauf vorbereitet zu werden, wie sie später individuell auf die Anforderungen von Teammitgliedern reagieren können. Da Umbrüche und Veränderungen mehr und mehr den Berufsalltag beherrschen, steht für 64 Prozent auch mehr Wissen in Change-Management auf der Wunschliste.

Welche Veränderungen und neuen Inhalte würden Sie begrüßen?
Soziale Verantwortung, CSR74 Prozent
Neue Lehrinhalte (z. B. Ethik, Nachhaltigkeit)67 Prozent
Unternehmenskultur und Change Mangement64 Prozent
Work-Life-Balance62 Prozent
Materielle und immaterielle Anreizsysteme43 Prozent
Neues Leitbild in der Management-Lehre31 Prozent
Einführung eines verpflichtenden Manager-Eids 25 Prozent
Sonstiges 8 Prozent
(Mehrfachnennungen möglich)

Mit diesen Ergebnissen stehen die Business-Schulen vor großen Herausforderungen, ihr Angebot zu optimieren und mit Blick auf künftige Studierende zielgerichtet zu vermarkten. Wie die Antworten der zukünftigen Manager zeigen, sehen die Anforderungen an die MBA-Programme nach der Krise anders aus als zuvor. Zusätzlich von Bedeutung: Eine große Mehrheit der Umfrageteilnehmer bemängelt fehlende Praxisnähe in der Ausbildung. Denn: Fachliche Spezialisierung reicht den MBA-Studierenden längst nicht mehr aus. Zwar vertrauen 88 Prozent immer noch auf Fallstudien als wichtige Form der Wissensvermittlung. Doch werden sie zunehmend als realitätsfern und stark vereinfachend gesehen.
Verzichten möchten die meisten jedoch nicht auf diese Lehrmethode. Auch Gruppenarbeiten und Diskussionen sollten sie weiter ergänzen. Wichtiger erscheint den meisten aber zu lernen, wie Unternehmen und Organisationen als System funktionieren und wie betriebliche Abläufe in ihrer Komplexität zu managen sind. "Führung in der Krise" steht als Thema ganz oben auf der To-Learn-Liste. Erstaunlich: Das Web 2.0 finden nur wenige von ihnen als Führungsinstrument wichtig - nur jeder Dritte erwartet hier mehr Input durch die MBA-Ausbildung.
Wichtig ist den MBA-Teilnehmern zudem, dass das Studium neben zeitlich flexibel ist und sich neben Beruf und Familie managen lässt. Ebenso zählen sie auf international erfahrene Lehrkräfte, Englisch als Unterrichtssprache und eine anerkannte Akkreditierung der Schule.
Mitarbeiter halten durch gezielte MBA-Förderung
Die Studienautoren empfehlen den Unternehmen indes, sich im Wettbewerb um die besten Nachwuchsführungskräfte Vorteile zu sichern. Zum Beispiel, indem sie Mitarbeiter, die sich an einen MBA wagen, unterstützen. Immerhin sind viele Arbeitgeber informiert über die Weiterbildungswünsche ihrer Angestellten und heißen sie gut. Denn gut zwei Drittel der Umfrageteilnehmer erhalten eine Unterstützung in irgendeiner Form. Dass es zu weitreichender Freistellung und Hilfe bei der Bewältigung des Lernpensums nicht reicht, mag am Wechselwillen der MBA-Absolventen liegen, so die Studie. Fast die Hälfte der Befragten wechselte nach erfolgreichem MBA-Studium den Arbeitgeber - meist sogar direkt nach Studienabschluss. Und selbst wo der Wechsel ausbleibt, fürchten viele Firmen die gestiegenen Ansprüche der Mitarbeiter bezüglich Gehalt und Position.
Es gelte daher, frühzeitig Perspektiven für die High Potentials zu entwickeln, um sie nicht an die Konkurrenz zu verlieren. Die Studie empfiehlt Personalentwicklungs- und Weiterbildungskonzepte, die auf flexiblere Arbeitszeitmodelle und innovative Finanzierungsmodelle für den MBA fokussieren. Im Gegenzug könnte vertraglich vereinbart werden, dass der so geförderte Mitarbeiter nach dem Abschluss für eine bestimmte Zeit im Unternehmen arbeitet. Eine deutliche Mehrheit der Befragten wäre dazu bereit, so die Statistik.
Die Umfrage "Trendbarometer Executive Education" der Agentur SWOP in Berlin und der Bertelsmann Stiftung erfasst die Antworten von 700 MBA-Studenten, Alumni und Interessierten zum Thema Qualität und Ausrichtung der MBA-Ausbildung.
  • FTD.de, 01.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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