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Merken   Drucken   20.11.2012, 14:45 Schriftgröße: AAA

Gehaltsvergleich: Anwälte verdienen inzwischen besser als Banker

Banker haben in den vergangenen drei Jahren deutliche Einkommenseinbußen hinnehmen müssen. Bestverdiener sind nun Rechtsanwälte. 2013 zeichnet sich aber auch ein Plus für viele andere Berufsgruppen ab.

Früher war es ganz einfach und klar: Am besten verdienen die Banker. Doch in den vergangenen Jahren musste genau diese Berufsgruppe deutliche Abstriche in Sachen Gehalt machen. Hintergrund dafür war die Entwicklung am Finanz- und Arbeitsmarkt. Zusätzlich wurden in der Vergangenheit große Teile der Boni in Aktien ausgezahlt - deren Wert sich zum Teil halbiert, zumindest aber verringert hat. Das ist das Ergebnis einer Trendstudie der Beratungsgesellschaft Globalmind. Deren Trend zeigt zudem: Auch dieses Jahr wird für die Banker häufig mit Einkommenseinbußen in die Statistik eingehen.

2013 ist zumindest ein kleines Gehaltsplus für alle drin   2013 ist zumindest ein kleines Gehaltsplus für alle drin

Anwälte in global aufgestellten Großkanzleien haben es da besser. Sie stehen inzwischen an der Spitze der Einkommenspyramide in Deutschland. "Mit deutlichem Abstand folgen Unternehmensberater bei wenigen ausgewählten Beratungsgesellschaften", sagt Andreas Halin, Managing Partner bei Global Minds. Doch auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften fragen zunehmend nach Top-Anwälten und deren Teams nach. Zumal viele Firmen in den zurückliegenden Jahren auf der Suche nach hochkarätigem Fachpersonal damit gescheitert sind, ganze Kanzleien zu übernehmen oder mit ihnen zu verschmelzen. Auf die Anwälte verzichten wollen die Firmen aber nicht, deshalb werden die Top-Fachkräfte heiß umworben - auch mit Top-Gehältern.

Vielversprechend: Konzerne in Hessen oder Bayern

Zum Ende des Jahres stehen bei vielen Angestellten erneut Gehaltsverhandlungen an. Deshalb ist für viele Arbeitnehmer wichtig, herauszufinden, was Beschäftigte in der jeweiligen Branche, Berufsgruppe, Region und die Kollegen in der eigenen Firma verdienen. Wichtig ist auch zu klären, was ein akademischer Abschluss bringt oder die Übernahme neuer Aufgaben und Zuständigkeiten, zum Beispiel Personalverantwortung. Wer die Antworten auf solche Fragen kennt, kann beim Chef viel überzeugender in eigener Sache argumentieren, sind die Fachleute der Jobbörse Stepstone überzeugt, die gerade den Gehaltsreport 2012 vorgelegt haben.

Für die Studie befragte die Online-Stellenbörse rund 40.000 Fach- und Führungskräfte. Die Ergebnisse können helfen zu zeigen, ob ein Angestellter im Vergleich zu Branchenkollegen gut genug entlohnt wird. Zutage kam zudem: In Hessen, Bayern und Baden-Württemberg liegen die Gehälter derzeit am höchsten (im Schnitt 54.120 Euro, 53.000 Euro beziehungsweise 52.394 Euro). Der Bundesdurchschnitt ist derzeit bei 52.000 Euro angesiedelt, vor allem im Osten liegen die Vergütungen aber deutlich darunter.

Besonders gut verdienen Akademiker. Immerhin 36 Prozent erhalten mehr Gehalt als Nicht-Akademiker im gleichen Job. Bezahlt machen sich vor allem Master- und Diplomabschlüsse, Bachelor- und Diplomabschlüsse von Fachhochschulen schneiden dagegen schlechter ab. Die miesesten Löhne werden derzeit im Hotel- und Gaststättengewerbe sowie im Handwerk gezahlt, wo Angestellte nur etwa die Hälfte dessen nach Hause tragen, was Gutverdiener bekommen. Anders als die Globalmind-Studie zeigt die Stepstone-Erhebung, dass Ärzte, die über einige Jahre Berufserfahrung verfügen, mit durchschnittlich 89.000 Euro Bruttojahresgehalt die absoluten Spitzenverdiener in Deutschland sind, gefolgt von Anwälten und Ingenieuren.

Weiterhin gilt: Je größer das Unternehmen, desto besser das Gehalt. Wer sich für ein kleineres Unternehmen als Arbeitgeber entscheidet, büßt zum Teil bis zu 10.000 Euro im Jahr ein - gewinnt aber dadurch möglicherweise Entwicklungsmöglichkeiten und zahlreiche Erfahrungen, die er in der Folge für die berufliche Karriere nutzen kann. Außerdem punktet im Gehaltspoker, wer Personalverantwortung übernimmt. Im Schnitt bringt das rund 15.000 Euro pro Jahr mehr ein.

Prognose: Drei Prozent mehr für alle

Unternehmen in Deutschland rechnen der weltweiten Studie "Salary Trends" der Personalberatung ECA International zufolge für das kommende Jahr mit etwa drei Prozent Gehaltserhöhungen für ihre Beschäftigten. Zieht man die Inflation ab, steigen die Reallöhne im Schnitt um 1,1 Prozent. Europaweit wird ein Plus von durchschnittlich 3,3 Prozent erwartet, vor allem in Osteuropa und Russland prognostizieren die Firmen höhere Gehälter.

  • FTD.de, 20.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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