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Merken   Drucken   24.02.2011, 07:33 Schriftgröße: AAA

Affäre Guttenberg: Der Doktor aus Absurdistan

Kommentar Die Einlassungen des Ministers bekommen abstruse Züge. Doch beinahe genauso schlimm ist das Verhalten der Union. Auch sie leidet inzwischen unter Realitätsverlust. Hoffentlich hat Angela Merkel den Mut, den Spuk zu beenden.

Es ist eine Woche her, da behauptete Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU): "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus." Inzwischen wissen wir, der Mann hat sehr wahrscheinlich abgeschrieben oder sogar, wie es die Opposition vermutet, einen schlampig arbeitenden Ghostwriter engagiert.

Guttenberg im Bundestag   Guttenberg im Bundestag

Sieben Tage später stellt sich Guttenberg dem Bundestag und erklärt allen Ernstes zu seiner Dissertation: "Ich hatte nach einer langen Pause drei Tage am Wochenende, um sie entsprechend zu sichten. Ich habe viele, viele Hinweise aus dem Internet bekommen, und viele, viele Hinweise, die ich auch entsprechend, wenn man dazu endlich dann einmal Zeit haben sollte, entsprechend aufarbeiten kann." In diesen drei Tagen hat der Adelsspross also sein fast 500 Seiten starkes Werk gewälzt und - na hups - festgestellt, dass es "gravierende Fehler" enthalte und "Blödsinn" sei.

Nach dem Verzicht auf den Doktortitel ist Guttenberg...

 

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Das Wort "Plagiat" vermeidet er nach wie vor, noch immer gibt er nicht offen und rundheraus zu, abgeschrieben zu haben - obwohl das auf der Hand liegt. Man mag die eine oder andere Fußnote vergessen, aber nicht Dutzende. Seine Erklärungen sind absurd, grotesk und eigentlich sogar unverschämt. Der nach wie vor sehr populäre Politiker hat sieben Jahre lang (!) an seiner Doktorarbeit geschrieben und versucht nun, der Öffentlichkeit weis zu machen, er habe nicht so recht gewusst, was drin stehe, und erst in dreitägiger Lektüre eben jene "gravierenden Fehler" bemerkt, die er noch sieben Tage zuvor als unvorstellbar zurückgewiesen hatte und die jetzt von der Uni Bayreuth quasi hochoffiziell bestätigt wurden.

Der Doktortitel ist also futsch. Nun geht es Guttenberg darum, seine politische Karriere zu retten, und der Union darum, ihren Hoffnungsträger vor dem Absturz zu bewahren. Seine Salami-Taktik und Schutzbehauptungen dienen einzig dazu, weiter in Berlin mitzumischen und von der Kanzlerschaft träumen zu können.

Seine Strategie ist ebenso durchsichtig wie die der Union: Guttenberg mimt den reuigen Sünder nach dem Motto: Na klar, habe ich Fehler begangen. Tut mir leid, war nicht so gemeint. Selbst Anflüge von Überheblichkeit räumt er im Bundestag ein, weil das draußen beim Volk ankommt. "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt." Aber abgeschrieben? Nein, niemals, jedenfalls nicht vorsätzlich und bewusst. Die Botschaft an das Volk: Ich bin unschuldig wie ein Lamm - und zwar in gesteigerter Form: ein Lamm im Büßergewand.

Teil 2: Guttenberg will der Wissenschaft gedient haben

  • FTD.de, 24.02.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 10.03.2011 12:26:36 Uhr   Wolfgang: Guttenberg-Affäre

    Es ist mir unbegreiflich, wieso CDU- bzw.CSU-Politiker noch zu diesem Herren halten und ihn verteidigen. Jeder kleine Arbeitnehnmer wäre sofort hochkantig aus seinem Job geflogen und nie wieder hochgekommen. Aber in einer derartigen Position darf man sich wohl alles erlauben und wird noch gelobt. Wo bleiben da die ach so hoch gelobten moralischen (und angeblich christlichen) Grundsätze? Aber mir war schon immer klar, das "C" in einem Parteinamen ist und bleibt übler Etikettenschwindel! Diese Affäre beweist es erneut.

  • 25.02.2011 18:10:21 Uhr   Michel: Baron Münchhausen
  • 25.02.2011 15:22:59 Uhr   Klaus Beiler: Dokorarbeit
  • 25.02.2011 12:24:06 Uhr   Hans Düne: 2006 eingereicht – Textvorlagen aus 2007
  • 24.02.2011 22:16:35 Uhr   Ragnar: Charakter
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