Das Wort "Plagiat" vermeidet er nach wie vor, noch immer gibt er nicht offen und rundheraus zu, abgeschrieben zu haben - obwohl das auf der Hand liegt. Man mag die eine oder andere Fußnote vergessen, aber nicht Dutzende. Seine Erklärungen sind absurd, grotesk und eigentlich sogar unverschämt. Der nach wie vor sehr populäre Politiker hat sieben Jahre lang (!) an seiner Doktorarbeit geschrieben und versucht nun, der Öffentlichkeit weis zu machen, er habe nicht so recht gewusst, was drin stehe, und erst in dreitägiger Lektüre eben jene "gravierenden Fehler" bemerkt, die er noch sieben Tage zuvor als unvorstellbar zurückgewiesen hatte und die jetzt von der Uni Bayreuth quasi hochoffiziell bestätigt wurden.
Der Doktortitel ist also futsch. Nun geht es Guttenberg darum, seine politische Karriere zu retten, und der Union darum, ihren Hoffnungsträger vor dem Absturz zu bewahren. Seine Salami-Taktik und Schutzbehauptungen dienen einzig dazu, weiter in Berlin mitzumischen und von der Kanzlerschaft träumen zu können.
Seine Strategie ist ebenso durchsichtig wie die der Union: Guttenberg mimt den reuigen Sünder nach dem Motto: Na klar, habe ich Fehler begangen. Tut mir leid, war nicht so gemeint. Selbst Anflüge von Überheblichkeit räumt er im Bundestag ein, weil das draußen beim Volk ankommt. "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt." Aber abgeschrieben? Nein, niemals, jedenfalls nicht vorsätzlich und bewusst. Die Botschaft an das Volk: Ich bin unschuldig wie ein Lamm - und zwar in gesteigerter Form: ein Lamm im Büßergewand.