Der frühere bayerische Datenschutzbeauftragte Karl Michael Betzl beteuert, in seinem Schredder Prospekte vernichtet zu haben - und keine Bankbelege
Doch so leicht wird er die Sache nicht los. Schließlich steht sein Name auf der legendären Daten-CD, für die das Bundesfinanzministerium einem ehemaligen Mitarbeiter der liechtensteinischen LGT Bank 4,5 Mio. Euro zahlte. Er ist somit Teil eines Steuerskandals, der in Deutschlands Geschichte eingegangen ist, nicht zuletzt wegen dieses 14. Februar 2008, als Klaus Zumwinkel vor laufenden Kameras aus seiner Villa geführt wurde. Eine Warnung an alle Steuersünder der Republik.
Betzl weiß damals, auch sein Name steht auf der CD. Anwälte schlagen Alarm, warnen ihre Klienten. Es sickert durch: nächstes Ziel München. Fünf Tage später stehen die Ermittler bei ihm vor der Wohnungstür. Zeitgleich nimmt sich ein zweites Team seine Büroräume vor. Betzl gibt sich empört: Eine Staatsanwältin und sechs Fahnder durchwühlen seine Wohnung. "Steuerverschwendung", schimpft er. Sieben Personen für 100 Quadratmeter. "Vier standen nur rum", tönt er später. Das sei ein Skandal.
Betzl zeigt sich von Anfang an wenig kooperativ. Auf die Frage, was seine Frau beruflich mache, antwortet er, sie sei bei der Finanzbehörde. Doch wenig später findet die Staatsanwältin, fein säuberlich verpackt im Schrank, eine Ernennungsurkunde seiner Frau - zur leitenden Regierungsdirektorin. Dienstherr: der Bundesnachrichtendienst. Ausgerechnet jener um Diskretion bemühte Auslandsgeheimdienst, der die Daten-CD aus Liechtenstein besorgt hat. Ihre Position: Leiterin des Referats 80B. Ihre Aufgabe: undichte Stellen in den eigenen Reihen aufdecken.