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Merken   Drucken   09.07.2009, 08:30 Schriftgröße: AAA

Agenda: Zoff am Nürburgring

Mit privatem Geld wollte Rheinland-Pfalz den Nürburgring in einen Erlebnispark umbauen. Der Park wird heute eingeweiht, doch die Finanzierung ist geplatzt. Das Land verliert Millionen - und der Finanzminister seinen Job. von Bertram Job (Nürburg) und Jens Tartler (Berlin)
Der Gesang der Baumaschinen ist zum Dauerhit geworden zwischen den grünen Hügeln in der Eifel, die an Motorenlärm gewöhnt sind. Pünktlich zum ersten Training des Formel-1-Laufs am Donnerstagvormittag wird an den Baustellen am Nürburgring nochmals Vollgas gegeben.
Es soll ein fulminantes Wochenende werden. Der junge Pilot Sebastian Vettel will vor deutscher Kulisse "in die Punkte fahren". Felix Sturm, Boxchampion aus Leverkusen, tritt am Samstag in der nagelneuen Indoor-Arena an, um seinen WM-Titel im Mittelgewicht zu verteidigen.
Und als Highlight wird schon am Donnerstag die 250 Mio. Euro teure Erlebniswelt direkt neben der Rennstrecke offiziell eröffnet. Die Werbung verspricht "einen 15.000 Quadratmeter großen Freizeitpark rund um Mythos, Motorsport und Mobilität". Doch die Euphorie hat diese Woche einen kräftigen Dämpfer bekommen: Jetzt gibt es Crime statt Kirmes.
Unter den 1200 Ehrengästen, die am Donnerstag zur Einweihung des nagelneuen Event-Centers erwartet werden, wird einer fehlen: Ingolf Deubel. Zwei Tage nach seinem Rücktritt als rheinland-pfälzischer Finanzminister hat er sich von der Laudatorenliste streichen lassen. Statt zu feiern, muss Deubel sich nun seiner Rolle in der "Nürburgring-Affäre" stellen.
Bilderserie Bilder und Simulationen vom neuen Nürburgring
Seine Aufgabe war es, für das Projekt private Investoren zu finden, um den Landeshaushalt zu entlasten. Deubel ließ sich auf windige Geldgeber ein und einen Schweizer Makler, über den der SPD-Politiker sagt, er könne nicht ausschließen, dass dieser "strafrechtlich relevant gehandelt" habe.
Jetzt ist die Privatisierung geplatzt, Steuergeld in Millionenhöhe futsch und Deubel seinen Posten los. Der gibt sich zerknirscht. "Natürlich war das ein politischer Fehler. Wahrscheinlich habe ich auch unterschätzt, welche Bedeutung das hier in Mainz bekommen würde."
Ausgangspunkt des ganzen Unheils ist die Bekanntschaft Deubels mit zwei Männern aus Wiesbaden vor gut einem Jahr. Die betreiben die Firma Pinebeck mit Sitz in Luxemburg. "Sie hatten ein Modell zur Immobilienfinanzierung.
Das war zwar erklärungsbedürftig, aber ich habe es verstanden", sagt der Ex-Minister. Nach diesem Modell ist das Projekt "Nürburgring 2009" um 50 Mio. Euro günstiger zu realisieren als mit einer reinen Staatsfinanzierung. Finanzexperte Deubel ist fasziniert von dieser Perspektive.
Rund 250 Mio. Euro kostete die Erlebsniswelt mit Achterbahn und ...   Rund 250 Mio. Euro kostete die Erlebsniswelt mit Achterbahn und "Gameland"
"Die taten dann Barandun auf." Urs Barandun - das ist der Schurke in dem ganzen Stück. Der 49-jährige Schweizer nennt sich Kreditvermittler. Er soll für Deubel die Investoren beschaffen. "Die Banken haben den geprüft", sagt der Politiker heute. "Mehr als internationale Banken kann auch ein kleines Bundesland nicht tun."
Später allerdings sitzt Barandun angeblich drei Wochen in Dubai in Untersuchungshaft. Vorgeworfen wird ihm, er habe in dem Emirat am Persischen Golf mit einem ungedeckten Scheck in Höhe von 1,4 Mio. Schweizer Franken bezahlen wollen.

Teil 2: Die Investorensuche verläuft schleppend

  • Aus der FTD vom 09.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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