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Merken   Drucken   02.01.2012, 21:12 Schriftgröße: AAA

Arbeitsmarkt: Ältere Frauen arbeiten länger

Exklusiv Die Zahl der Arbeitnehmerinnen über 60 Jahre hat sich im vergangenen Jahrzehnt verdreifacht: Die Zahlen belegen, dass die Jobchancen für Ältere sich verbessert haben. Das liefert im Koalitionsstreit um die Rente mit 67 neue Munition. von Maike Rademaker  und Thomas Steinmann, Berlin
Ältere Frauen arbeiten deutlich länger als vor zehn Jahren. Nach einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), die der FTD vorliegt, hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen zwischen 60 und 65 Jahren innerhalb des zurückliegenden Jahrzehnts mehr als verdreifacht. Demnach arbeiteten im März des vergangenen Jahres 515.000 über 60-jährige Frauen. Im Jahr 2000 waren es nur 150.000. Auch bei den Männern legte die Beschäftigung zu - wenn auch von rund 450.000 auf 720.000 deutlich langsamer.
Der drastische Anstieg bei älteren Frauen liefert im Koalitionsstreit um die Rente mit 67 neue Munition. Kritiker der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters argumentieren, mangelnde Jobchancen für ältere Arbeitnehmer führten dazu, dass die Rente mit 67 faktisch ein Rentenkürzungsprogramm sei. Dagegen belegen die BA-Zahlen, dass eine gesetzliche Anhebung des Renteneintrittsalters positive Auswirkungen auf die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer hat. Im vergangenen Jahrzehnt wurde das Renteneintrittsalter für Frauen von 60 auf 65 Jahre angehoben. Parallel dazu stieg auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Arbeitnehmerinnen über 60 Jahre. Allerdings arbeiten viele von ihnen Teilzeit.
Insgesamt waren im März 2011 nach Angaben der BA insgesamt 1,2 Millionen über 60-Jährige in sozialversicherungspflichtigen Jobs. Das sind doppelt so viele wie 2000. Damit liegt die Quote inzwischen bei 26,4 Prozent.
Auch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verwies am Montag darauf, dass sich die Erwerbsquote älterer Beschäftigter deutlich verbessert habe. "Die Wirtschaft fängt an, sehr viel stärker die Kompetenzen des Alters zu schätzen", sagte sie im Deutschlandfunk. Allerdings müssten die Unternehmen stärker in Weiterbildung und Gesundheitsvorsorge für mittelalte und ältere Arbeitnehmer investieren. Zugleich wies von der Leyen die Kritik von CSU-Chef Horst Seehofer an der Rente mit 67 zurück und machte klar, dass die Bundesregierung an der seit Jahresbeginn geltenden Reform festhalte. Seehofer hatte am Wochenende gesagt, ohne eine "spürbare" Verbesserung der Beschäftigungsmöglichkeiten von Arbeitnehmern über 50 Jahre sei die Rente mit 67 mit ihm "nicht zu machen".
Seehofers erneute Drohung führte in der schwarz-gelben Koalition zu Unmut. FDP-Generalsekretär Patrick Döring warnte den CSU-Chef vor einem Linksschwenk. Auch die Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Gerda Hasselfeldt, stellte sich gegen Seehofer. Unterstützung kam dagegen vom CDU-Sozialflügel und den Gewerkschaften, die Korrekturen an der Rente mit 67 forderten. Auch die SPD will den Einstieg in die Reform aussetzen, bis mindestens die Hälfte der Arbeitnehmer zwischen 60 und 65 Jahren in Beschäftigung ist.
  • Aus der FTD vom 03.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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