Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller
Müllers Äußerungen dürften bei den großen Energieversorgern Sorgen schüren, dass der von ihnen erhoffte Ausstieg aus dem Atomausstieg in den schwarz-gelben Koalitionsverhandlungen doch kein Selbstläufer wird. Bereits in den vergangenen Tagen hatten sich Unionspolitiker in dieser Frage zurückhaltend gezeigt. Dies könnte aber auch Taktik sein, um den Versorgern größere Zugeständnisse abzuringen - etwa für den Unionsplan, rund die Hälfte der zusätzlichen Konzerngewinne aus der Atomkraft für die Erforschung erneuerbarer Energien abzuzweigen.
Außerdem ist Müllers Kurswechsel auch als Signal an die Grünen im Saarland zu verstehen. Diese will er nach seiner Schlappe bei der Landtagswahl vor gut einem Monat für ein Jamaikabündnis mit der FDP gewinnen. Die Grünen schwanken jedoch, ob sie nicht lieber mit SPD und Linkspartei koalieren.
Müller kündigte an, zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers darauf zu dringen, dass die Union in den Koalitionsverhandlungen im Bund keine Abstriche an der bisherigen Sozialpolitik machen werde. "Wir brauchen ökonomische Effizienz, aber auch soziale Sensibilität. Das muss sich im Koalitionsvertrag widerspiegeln", sagte Müller mit Blick auf Forderungen aus der FDP, den Kündigungsschutz zu lockern und die Bundesagentur für Arbeit zu privatisieren. Rüttgers und Müller zählen zu den prominentesten Vertretern des Sozialflügels der CDU.
Das schwache Wahlergebnis der Union mit 33,8 Prozent der Stimmen nannte Müller "nicht völlig zufriedenstellend". Er forderte eine Debatte in der Partei über eine modernere Wähleransprache mit verstärkten Internetaktivitäten.