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  FTD-Serie: Deutschland hat gewählt

Inmitten der schwersten Krise seit Jahrzehnten haben die Bürger über eine neue Bundesregierung entschieden. Mit welchem Personal wird Schwarz-Gelb künftig regieren und wie sortiert sich die Opposition? FTD.de berichtet rund um die Bundestagswahl 2009.

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  29.09.2009, 08:36    

"Das ist Deutschland hier": Westerwelle spricht deutsch

Die Weltpresse hat viele Fragen an Deutschlands künftigen Außenminister. Mit den Antworten tut sich Guido Westerwelle noch etwas schwer. Mit Englisch auch.

von Timo Pache und Joachim Zepelin 
Die Frage ist höflich, der Akzent britisch. "Dr. Westerwelle", setzt der Mann in der ersten Reihe an. Er sei von der BBC, habe eine Frage auf Englisch und bitte auch um eine Antwort auf Englisch. Guido Westerwelle schüttelt entgeistert den Kopf. "Ich bitte Sie, bei allem Verständnis. So wie es in Großbritannien üblich ist, dass man selbstverständlich englisch spricht, so ist es in Deutschland üblich, dass man hier in Deutschland deutsch spricht."
Also wird die Frage für den voraussichtlichen Außenminister übersetzt: "Wie wird sich die deutsche Außenpolitik unter Ihrer Führung verändern?" Wieder bügelt Westerwelle den Briten ab: "Sie stellen eine Frage nach Ämtern. Eine Debatte über irgendwelche Ämter und Verantwortlichkeiten in der nächsten Bundesregierung werde ich nicht führen." Ansonsten könne man sich "gerne mal außerhalb einer Pressekonferenz fabelhaft auf eine Tasse treffen, und dann sprechen wir nur englisch". Damit könnte er es gut sein lassen. Aber Westerwelle tritt lieber noch mal kräftig nach: "Das ist Deutschland hier!"
Guido Westerwelle   Guido Westerwelle
Das hier ist Westerwelles erster großer Auftritt nach der Bundestagswahl, und die versammelte Weltpresse will dem Außenminister in spe auf den Zahn fühlen. Der 47-Jährige ist sichtlich aufgeregt. Endlich wird sein großer Traum Wirklichkeit. In freudiger Erwartung des Amtes übt er das nötige Englisch schon seit Längerem. Heute muss er kein Englisch sprechen, verhaspeln tut er sich trotzdem. "Auch und gerade in der Außenpolitik" werde nun "ein neues Kapitel der Aufrüstung durch Präsident Obama" aufgeschlagen, verkündet er im Eingangsstatement. Aufrüstung? Westerwelle bemerkt den Lapsus umgehend, natürlich habe er Abrüstung gemeint.
Eine Reporterin des ukrainischen Fernsehens fragt nach einem EU-Beitritt ihres Heimatlands, den die FDP befürwortet. "Ich danke Ihnen sehr. Sie haben unser Parteiprogramm ja schon zitiert, und was wir in dem Programm gesagt haben, ist natürlich weiter unsere Haltung. Aber ich werde dazu jetzt nicht weiter ins Detail einsteigen."
Bringt schwarz-gelb eine radikal andere Politik?

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Hätte er auch gar nicht gekonnt, glaubt Constanze Stelzenmüller vom German Marshall Fund. Der Parteichef der Liberalen beschäftige sich ja erst seit Kurzem mit diesem Thema, "einfach weil bei den anderen FDP-Themen Wirtschaft und Bürgerrechte andere Experten in der Partei tonangebend waren". Der wesentliche Gehalt seiner außenpolitischen Vorstellungen liege bisher im Bemühen, nirgendwo anzuecken, so Stelzenmüller.
Dass ihm das Nichtanecken bisweilen ähnliche Schwierigkeiten bereitet wie das Englische, muss Westerwelle freilich nicht grämen. Verbesserungswürdige Englischkenntnisse haben bei deutschen Außenministern schließlich eine lange Tradition.
  • Aus der FTD vom 29.09.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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