Trotz einer absehbaren konjunkturellen Abschwächung in den kommenden Monaten erwarten die führenden deutschen Forschungsinstitute für das Gesamtjahr 2012 einen leichten gesamtwirtschaftlichen Haushaltsüberschuss. Gemessen an der Wirtschaftsleistung dürfte das Plus demnach bei 0,1 Prozent liegen. Noch im Frühjahr hatten die Experten ein Defizit von 0,6 Prozent prognostiziert. Erstmals seit der Wiedervereinigung dürfte der Staatshaushalt auch strukturell ausgeglichen sein, schreiben die Forschungsinstitute in ihrer Herbstprognose, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wird und der FTD vollständig vorliegt.
Zwar werde das Steueraufkommen in diesem Jahr voraussichtlich um 3,9 Prozent wachsen und damit nicht mehr so kräftig wie noch 2011 (7,4 Prozent). Die Finanzlage werde sich dank der auf Konsolidierung ausgerichteten Finanzpolitik dennoch verbessern. "Zudem führte das außerordentlich niedrige Zinsniveau für deutsche Staatsanleihen zu erheblichen Einsparungen bei den Zinsausgaben", schreiben die Forscher. Zum letzten Mal lag der deutsche gesamtstaatliche Haushalt nach der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im Boomjahr 2007 leicht im Plus, davor kurz nach der Wiedervereinigung 1990.
Weil die Zinslast in Zukunft aber wieder steigen werde, mahnen die Konjunkturexperten, die Nachhaltigkeit der öffentlichen Haushalte zu sichern. "Auch vor dem Hintergrund der sich aus dem demografischen Wandel mittelfristig ergebenden Belastungen und des hohen Bruttoschuldenstands sollte die Finanzpolitik am Konsolidierungskurs festhalten", fordern sie.