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Merken   Drucken   16.03.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Euro-Gruppe: Zaumzeug für Schäuble

Leitartikel Wolfgang Schäuble wurde schon für so manches Topamt gehandelt. Am Ende ging er stets leer aus. Als Bundeskanzler hat ihn Kohl verhindert. Als Bundespräsidenten wollte ihn Merkel nicht. Aber winkt dem Finanzminister winkt ein europäisches Spitzenamt.

Falls der jetzige Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker bei seiner Rückzugsankündigung bleibt, wäre Schäuble sein natürlicher Nachfolgekandidat. Er ist die Schlüsselfigur bei der Euro-Rettung, Deutschland der bestimmende Faktor in der Finanzkrise und ökonomisch die stärkste Kraft in der EU. Damit steht Schäuble praktisch der Posten zu.

Dem Finanzminister winkt ein europäisches Spitzenamt   Dem Finanzminister winkt ein europäisches Spitzenamt

Die Kanzlerin ist geradezu gezwungen, ihren wichtigsten Minister in Vormachtstellung zu bringen. Schließlich sind die Deutschen bei der Jobvergabe in Brüssel - auch aus eigenem Verschulden - des Öfteren leer ausgegangen und besetzen derzeit keinen Top-Posten. Kommissions- und Ratspräsidentschaft liegen in der Hand kleinerer EU-Staaten. Ihren Anspruch, den Präsidenten der Europäischen Zentralbank zu stellen, musste Merkel sich letztlich auch abschminken.

Darum ist sie zum Erfolg verdammt, wenn sie jetzt die Hand hebt, um Schäuble zum Euro-Gruppen-Chef zu machen. Ein erneuter Fehlschlag wäre mehr als peinlich. Bei manchen Euro-Staaten wird Schäuble auf Widerstand stoßen.

Nicht nur bei den Griechen, die ihn geradezu hassen. Auch bei einigen kleineren Ländern, die genervt sind, wie Deutschland seine Dominanz in der Euro-Krise ausspielt, indem es Bedingungen diktiert, als wären sie Naturgesetze. Gerade deshalb jedoch wäre ein deutscher Euro-Gruppen-Chef für Europa weitaus mehr Gewinn als für Deutschland selbst, dessen Einfluss sich durch dieses Amt ohnehin kaum noch steigern lässt. Merkel könnte sich weniger Egotrips mit Sarkozy erlauben. Und Schäuble müsste in Brüssel sehr viel diplomatischer für eine gemeinsame Position werben.

Schäuble muss dafür allerdings auch lernen, von der geliebten Rolle eines Agent provocateur in die des freundlichen Euro-Diplomaten zu wechseln. Nach seinen Zumutungen, in Griechenland einen Sparkommissar einzusetzen und die Wahlen zu verschieben, sind Zweifel angebracht. Sollte Schäuble sich aber nicht im Zaum halten können, wird Deutschland in Europa noch unbeliebter. Und der Euro noch stärker beschädigt.

  • Aus der FTD vom 16.03.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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Kommentare
  • 18.03.2012 12:00:42 Uhr   Toni-Ketzer: Zur rechten Zeit am rechten Ort

    Zitat: "Am Ende ging er stets leer aus."
    -
    Wenn er sich schön glatt rasiert und die Frisur pflegt, dann klappt es auch mit dem Job. Vielleicht legt er Damenkleidung an. Frauenquoten wirken wie Brandbeschleuniger. Da bekäme selbst die total unfähige Merkel Skrupel. Wie so manch Kommentator bereits beschreibt: "Guter Mann, müßte zur rechten Zeit am rechten Ort eingesetzt werden, um der Welt den Rest zu geben!"

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