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Merken   Drucken   12.04.2011, 17:27 Schriftgröße: AAA

Grüne Versprechen: Keine Angst vorm Volksentscheid zu Stuttgart 21

Kaum haben die Grünen die Wahl in Baden-Württemberg gewonnen, schon gehen sie auf Abstand zu einem ihrer wichtigsten Versprechen. Die Partei drückt sich vor der Abstimmung über Stuttgart 21 - und riskiert ihre Glaubwürdigkeit.
© Bild: 2011 reuters
Kommentar Kaum haben die Grünen die Wahl in Baden-Württemberg gewonnen, schon gehen sie auf Abstand zu einem ihrer wichtigsten Versprechen. Die Partei drückt sich vor der Abstimmung über Stuttgart 21 - und riskiert ihre Glaubwürdigkeit. von Heimo Fischer 
Die Landung in der Wirklichkeit kam schnell und hart. Kaum haben die Grünen die Landtagswahl in Baden-Württemberg gewonnen, schon gehen sie auf Abstand zu einem ihrer wichtigsten Wahlversprechen. Auf bunten Plakaten, in feurigen Reden und zahlreichen Interviews hatte ihr Spitzenkandidat Winfried Kretschmann für einen Volksentscheid über Stuttgart 21 geworben. Damit wollte er einen endgültigen Beschluss über den geplanten Tiefbahnhof herbeiführen und den Graben zwischen Gegnern und Befürwortern des Projekts zuschütten.
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Was nun während der Koalitionsgespräche mit der SPD nach außen dringt, hört sich ganz anders an. "Grundsätzlich" stehe er zu seinem Versprechen, orakelt Kretschmann. Doch lässt der designierte Ministerpräsident keinen Zweifel daran, dass er die endgültige Entscheidung über die Bürgerbefragung gern so lange ruhen lassen würde, bis der während der Schlichtung verabredete Stresstest die zusätzlichen Kosten des Bahnprojekts ermittelt hat. Wenn das Projekt zu teuer würde, müsse man nicht mehr abstimmen, deutet Kretschmann an. Wo genau die Kostengrenze liegt, lässt er allerdings offen. Die Entscheidung soll Bahn-Chef Rüdiger Grube treffen. Der könnte aussteigen, wenn die Kosten den abgesteckten Rahmen von 4,5 Mrd. Euro übersteigen. Und dann bräuchte man keine Volksabstimmung mehr. Ganz toll.
Dass die Grünen die vom künftigen Koalitionspartner SPD ebenfalls geforderte Abstimmung auf diese Weise hintertreiben wollen, ist nachvollziehbar. Denn sehr wahrscheinlich würden sie das Votum verlieren. Aus mehreren Gründen: Zum einen stimmen nicht nur die Stuttgarter ab, sondern ganz Baden-Württemberg. Umfragen legen nahe, dass etwa die Hälfte der Bürger des Landes für Stuttgart 21 ist. Ein Erfolg der Gegner ist also unsicher.
Hinzu kommen weitere Hürden: Die Verfassung Baden-Württembergs sieht vor, dass ein Drittel der Stimmberechtigten mit Ja stimmen muss, um die Ablehnung durchzusetzen - egal, wie viele mitmachen. Ein Wert, der aufgrund der meist niedrigen Beteiligung an Volksentscheiden kaum zu erreichen ist.
Mit anderen Worten: Eine Abstimmung über Stuttgart 21 hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Folge, dass der Tiefbahnhof gebaut werden muss. Gleichgültig, wer an der Regierung ist und wie hoch die Zusatzkosten sind. Zwar könnte eine Verfassungsänderung helfen, die eine Ablehnung per Volksentscheid leichter macht. Die Regeln vor der Abstimmung so zu ändern, dass sie seine Gewinnchancen vergrößern, kann sich der künftige Ministerpräsident aber kaum leisten. Außerdem ist für eine solche Verfassungsänderung eine Zweidrittelmehrheit im Landtag nötig. Auch oppositionelle CDU-Abgeordnete müssten zustimmen. Das würde aber wohl eher Wunschdenken bleiben.

Teil 2: Volksentscheide mit unerwünschten Nebenwirkungen

  • FTD.de, 12.04.2011
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Kommentare
  • 14.04.2011 07:48:01 Uhr   Tyler Durden Volland: ?????

    "Die Partei drückt sich vor der Abstimmung über Stuttgart 21 - und riskiert ihre Glaubwürdigkeit."

    Wie kommen sie auf die Idee, dass diese stink-normale Partei glaubwürdiger sei, als die anderen?
    Ach.... sie meinen "glaubwürdig" bei denen, die früher mal Kohl oder Schröder/Fischer für glaubwürdig hielten und deshalb wählten?
    Welch witziges Land und Volk ist dies doch...

  • 13.04.2011 15:06:57 Uhr   Detlef Bosau: Gurkentruppe.
  • 13.04.2011 12:55:50 Uhr   cglenz: Fair bleiben!
  • 13.04.2011 12:43:12 Uhr   Nico Nissen: Quorum kann Minderheit zum Sieger machen
  • 13.04.2011 10:56:44 Uhr   Herbert Nau: Stuttgart 21 birgt mehr Kostenrisiken als bek...
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