Der Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder, der im Ausland gelernt hat, einen Anspruch hat, seine Qualifikationen in Deutschland bewerten zu lassen. Die dafür zuständigen Kammern oder Behörden müssen die Anträge innerhalb von drei Monaten bearbeiten.
Die Bildungsministerin sieht ihr Vorhaben auch als Signal für mehr Zuwanderung: "Dieses Gesetz setzt ein Zeichen, dass qualifizierte Fachkräfte in diesem Land willkommen sind." Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warb zugleich dafür, Hürden für Zuwanderer abzubauen. In der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" äußerte sie Zweifel an der Regel, nach der Zuwanderer nur dann ins Land dürfen, wenn kein Deutscher oder EU-Bürger für einen Job geeignet ist. In der Praxis ist das oft eine unüberwindliche Hürde für Arbeitgeber. Bei Bedarf müssten gezielt neue Fachkräfte-Anwerbeabkommen geschlossen werden, sagte die Arbeitsministerin.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Wochenende auf einem Treffen der Jungen Union zwar "Multikulti" für tot erklärt. Zugleich bekannte auch sie sich jedoch dazu, dass Deutschland auf den Zuzug von Spezialisten angewiesen sei. Die Qualifizierung deutscher Arbeitsloser habe aber Vorrang.
Damit ist CSU-Chef
Horst Seehofer mit seiner Forderung nach einem Zuwanderungsstopp in der Koalition zunehmend isoliert. Am Wochenende beharrte er darauf, dass "Deutschland kein Zuwanderungsland" sei. Der Zuzug Hochqualifizierter sei bereits "ausreichend geregelt", schrieb er laut "Focus" in einem "Integrationsplan". Der Fachkräftemangel sei zudem "kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung". Seehofer wählte dabei jedoch eine Formulierung mit Notausgang.
Schavan sagte dazu: "Auch Horst Seehofer lehnt ja nur ungesteuerte Zuwanderung ab. Das tun wir alle." Eine auf qualifizierte Fachkräfte ausgerichtete Zuwanderung hält sie jedoch für nötig. "Sonst kann die deutsche Wirtschaft ihre Stärke nicht erhalten." Deutschland stehe mit allen anderen Industrieländern im Wettbewerb um Talente. "Das gehört genauso in den Fokus der Zuwanderungsdebatte wie die berechtigte Frage, was wir gegen Integrationsunwillige tun."