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Merken   Drucken   01.01.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Landtagswahlkampf: Seehofers trickreiche Guttenberg-Schmeicheleien

CSU-Chef Horst Seehofer will den gefallenen Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg zurück in sein Team holen - mehr aber auch nicht. von Claudia Kade  Berlin
Vielleicht hat Horst Seehofer einfach nur ein paar gute Vorsätze gefasst fürs neue Jahr: alte Kontakte wieder auffrischen, nicht mehr so nachtragend sein, versöhnlicher werden. Oder der ausgebuffte bayerische Ministerpräsident denkt schon über die Aufstellung für den schwierigen Landtagswahlkampf im Sommer 2013 nach.
Jedenfalls können sie in der CSU mal wieder nach Herzenslust rätseln über ihren undurchschaubaren Parteichef und dessen Sinneswandeleien, und das schon gleich am Neujahrstag.
"Ich möchte sowohl Karl-Theodor zu Guttenberg als auch Peter Gauweiler wieder in die aktive Politik holen", verkündet Seehofer in der "Bild am Sonntag". "Wenn Karl-Theodor zu Guttenberg zur Teamarbeit bereit ist, dann kann er auch eine herausgehobene Funktion anstreben."
Karl-Theodor zu Guttenberg und Horst Seehofer in Wildbad Kreuth ...   Karl-Theodor zu Guttenberg und Horst Seehofer in Wildbad Kreuth (Archivbild)
Aha. Den Spitzenjob erst mal nur anstreben und nicht sofort bekommen. Aber immerhin. Das klingt alles ziemlich freundlich nach dem großen Zorn, den Seehofer noch vor wenigen Wochen über Guttenberg und dessen Interviewbuch ausgegossen hatte. "Enttäuschend" und "völlig daneben" fand Seehofer damals Guttenbergs Kritik am Zustand der schwächelnden CSU.
Und mehr Demut verlangte der Parteichef außerdem von der einstigen Nachwuchshoffnung. Der offene Wutausbruch des Parteichefs war verständlich, denn lange genug musste Seehofer sich ernsthaft Sorgen machen, dass der einst so strahlende Guttenberg zum Sprung an die Parteispitze ansetzen könnte. So ein bisschen Häme zum missglückten Comeback war zwar nicht besonders elegant, aber doch nachvollziehbar.
Und nun? In ungeahnter Harmonielaune kündigt Seehofer an, er werde persönlich mit Guttenberg sprechen, weil der in die USA ausgewanderte 40-Jährige für die CSU "sehr wertvoll" sei. Er werde sich dafür einsetzen, dass Guttenberg und auch der Euro-Skeptiker Gauweiler den Christsozialen "an vorderster Front wieder zur Verfügung stehen".
Doch bei allen Haken, die Seehofer schlägt - auf seinen ausgeprägten Machtinstinkt ist über all die Jahre und auch im neuen Jahr immer noch Verlass: Denn der CSU-Chef achtet in dem Interview sorgfältig darauf, Guttenberg stets in einem Atemzug mit Gauweiler zu nennen, dem 62-jährigen CSU-Urgestein mit großer Wortgewalt, aber fatalem Hang zum Einzelgängertum.
Seehofer setzt den jungen und den alten Widersacher gleich - und damit beide herab: Guttenberg wird in die Nähe des ewig Nörgelnden gerückt und Gauweiler auf eine Stufe mit einem überführten Plagiatedoktor gestellt. Beides kann Seehofer nur nutzen, denn gefährlich werden sie ihm so nicht so schnell.
Und noch eine besondere Feinheit hat Seehofer eingebaut: "Im Team wäre Guttenberg immer in der ersten Reihe", sagt er. Und macht unmissverständlich klar, wo er Guttenberg sieht - nämlich in seiner Wahlkampfmannschaft nur genau so weit vorne, dass der Baron auf den Fotos gut zu sehen ist, aber eben nicht im Mittelpunkt. Wie Guttenberg darüber denkt, wird das neue Jahr zeigen.
  • Aus der FTD vom 02.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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