Und nun? In ungeahnter Harmonielaune kündigt Seehofer an, er werde persönlich mit Guttenberg sprechen, weil der in die USA ausgewanderte 40-Jährige für die CSU "sehr wertvoll" sei. Er werde sich dafür einsetzen, dass Guttenberg und auch der Euro-Skeptiker Gauweiler den Christsozialen "an vorderster Front wieder zur Verfügung stehen".
Doch bei allen Haken, die Seehofer schlägt - auf seinen ausgeprägten Machtinstinkt ist über all die Jahre und auch im neuen Jahr immer noch Verlass: Denn der CSU-Chef achtet in dem Interview sorgfältig darauf, Guttenberg stets in einem Atemzug mit Gauweiler zu nennen, dem 62-jährigen CSU-Urgestein mit großer Wortgewalt, aber fatalem Hang zum Einzelgängertum.
Seehofer setzt den jungen und den alten Widersacher gleich - und damit beide herab: Guttenberg wird in die Nähe des ewig Nörgelnden gerückt und Gauweiler auf eine Stufe mit einem überführten Plagiatedoktor gestellt. Beides kann Seehofer nur nutzen, denn gefährlich werden sie ihm so nicht so schnell.
Und noch eine besondere Feinheit hat Seehofer eingebaut: "Im Team wäre Guttenberg immer in der ersten Reihe", sagt er. Und macht unmissverständlich klar, wo er Guttenberg sieht - nämlich in seiner Wahlkampfmannschaft nur genau so weit vorne, dass der Baron auf den Fotos gut zu sehen ist, aber eben nicht im Mittelpunkt. Wie Guttenberg darüber denkt, wird das neue Jahr zeigen.