Guido Westerwelle: Seine Tage als FDP-Vorsitzender sind gezählt
Damit stehen die Liberalen nach zehn Jahren unter Westerwelles Führung offenbar vor einem Neuanfang mit Gesundheitsminister Philipp Rösler als Parteichef. Der 38-Jährige erwäge eine Kandidatur für den Parteivorsitz auf dem Parteitag im Mai, hatte es zuvor in führenden Parteikreisen geheißen.
In der FDP war auch eine weitere Demontage Westerwelles nicht ausgeschlossen worden. Der Außenminister müsste womöglich auf die Funktion des Vizekanzlers verzichten, um die Rolle eines neuen FDP-Chefs im Kabinett zu stärken, hieß es.
Für Montag ist eine verlängerte Sitzung des FDP-Präsidiums anberaumt. Dass Westerwelle bereits am Abend seinen Rückzug vom Parteivorsitz verkündete, wurde parteiintern als Versuch gewertet, Schaden auch von seinem Ministeramt zu nehmen. "Der Druck im Kessel war gewaltig", hieß es aus der Parteispitze.
Nach Angaben aus Parteikreisen hat Westerwelle am späten Nachmittag zunächst die Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher und Walter Scheel sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel über seinen Schritt informiert. Anschließend setzte er bei einer Telefonschalte die Mitglieder des Präsidiums und die Landesvorsitzenden in Kenntnis. Auch dort habe Westerwelle betont, er wolle weiter für den Erfolg seiner Partei kämpfen. Zu einem möglichen Nachfolger äußerte er sich dort wie auch vor Journalisten nicht. Der scheidende Parteichef sagte lediglich, es gebe eine große Anzahl "junger Persönlichkeiten", die bereit stünden, in die Führung der Partei aufzurücken. Sein Verzicht auf den Parteivorsitz im Mai sei aus seiner Sicht die richtige Entscheidung, um mit einem Generationswechsel für einen Neuanfang zu sorgen.
Rösler: Verlorene Glaubwürdigkeit zurückgewinnen
Als Nachfolger an der Parteispitze zeichnete sich Rösler ab, der auch Chef der FDP in Niedersachsen ist. "Es wird wohl auf Rösler hinauslaufen", sagte ein Mitglied der Fraktionsspitze. Weiterhin als chancenreich für den Vorsitz galt auch Generalsekretär Christian Lindner. Der 32-Jährige hat jedoch signalisiert, dass er in dieser Funktion bleiben und die inhaltliche Neuausrichtung vorantreiben möchte.