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Merken   Drucken   19.12.2011, 20:24 Schriftgröße: AAA

Personaleinsparung: Job-Boom sorgt für Wegfall von 17.000 Arbeitsagenturstellen

Die Arbeitslosenzahl sinkt seit vielen Monaten, der Aufwärtstrend erweist sich trotz Staatsschuldenkrise als robust.  Die Bundesagentur hat deshalb weniger zu tun - und spart sich viele hundert Millionen Euro Personalkosten.
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Exklusiv Die Arbeitslosenzahl sinkt seit vielen Monaten, der Aufwärtstrend erweist sich trotz Staatsschuldenkrise als robust. Die Bundesagentur hat deshalb weniger zu tun - und spart sich viele hundert Millionen Euro Personalkosten. von Maike Rademaker, Nürnberg
Die Bundesagentur für Arbeit (BA) will wegen sinkender Arbeitslosenzahlen bei ihrer Verwaltung kräftig Personal einsparen. Bis zum Jahr 2015 sollten 17.000 Stellen abgebaut werden, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise der FTD. "Das Einsparpotenzial wollten wir benennen, bevor jemand kommt und sagt: Ihr macht euren Job nicht", so Weise. "Wir werden dafür die Führungsstrukturen und die Logistik stark vereinfachen müssen. Wir bleiben aber an allen Standorten und werden ohne betriebsbedingte Kündigungen auskommen." Finanziell werde damit ab 2015 pro Jahr 1 Mrd. Euro eingespart. "Wir haben damit einen ausgeglichenen Haushalt."
Die Bundesagentur ist mit 114.000 Beschäftigten - Vollzeit- und Teilzeitstellen - eine der größten Behörden Deutschlands. Allein für die Verwaltung gab sie laut Geschäftsbericht 2010 rund 7,44 Mrd. Euro aus. Weise hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen als eiserner Sparer und Reformer gemacht - und will nun den Schwung auf dem Arbeitsmarkt nutzen, um die Behörde erneut umzubauen.
Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit , ...   Der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit , Frank-Jürgen Weise
So sollen einige Standorte zusammengefasst werden. "Wir werden von 176 Geschäftsstellen auf 154 gehen." Trotzdem soll auch in ländlichen Gebieten die intensive Betreuung der Arbeitslosen sichergestellt werden. "Wir werden teilweise sehr flexibel sein müssen und in ländlichen Gebieten uns zum Beispiel drei Tage die Woche bei der Sparkasse einmieten", kündigte Weise an.
Zum Stellenabbau und zum Sparkurs beitragen soll außerdem die Umstellung auf elektronische Akten - allein beim Arbeitslosengeld führt die Behörde 22,2 Mio. Kundenakten. "Das wird die Sachbearbeitung wesentlich vereinfachen, weil kein Papier bewegt wird", so Weise. Das Projekt E-Akte wird derzeit in der Regionaldirektion Thüringen und Sachsen-Anhalt getestet. Da es um sensible Daten geht, hat die BA auch den Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar eingeschaltet.
Ein stärkerer Personalabbau ist Weise zufolge nicht möglich. "Man hätte noch mehr rationalisieren können, aber mir ist es sehr wichtig, die persönliche Betreuung zu erhalten." Zwar gibt es mit derzeit rund 2,7 Millionen Arbeitslosen weit weniger als noch vor fünf Jahren. Wer aber in der momentan guten Konjunktur keinen Arbeitsplatz finde, "der hat wirklich ein Problem - wie einen fehlenden Schulabschluss oder geringe deutsche Sprachkenntnisse. Diesen Menschen zu helfen wird für uns schwieriger und teurer", sagte Weise. Zudem wechselten Beschäftigte häufiger als früher in Arbeitslosigkeit und wieder in Jobs.
Trotz der erwarteten Einsparungen durch den Umbau rechnet Weise nicht mit großen finanziellen Spielräumen seiner Behörde. "Rücklagen kann ich bei dem aktuellen Beitragssatz nicht aufbauen. Wir verlieren ja sukzessive bis 2015 die Co-Finanzierung durch den halben Mehrwertsteuerpunkt, den nun die Kommunen bekommen - das bedeutet ab 2015 jedes Jahr 4 Mrd. Euro weniger Einnahmen."
Der BA-Chef trat Sorgen entgegen, dass die Euro-Krise zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit in Deutschland führen könnte - trotz der Prognose von Ökonomen, dass die Wirtschaft hierzulande im kommenden Jahr kaum noch wachsen dürfte. "Die strukturellen Änderungen hin zu mehr Dienstleistung stärken personalintensive Branchen und werden dazu führen, dass Beschäftigung selbst bei geringem Wirtschaftswachstum hält oder wächst", sagte Weise voraus. Für Jüngere könnte die demografische Entwicklung sogar eine positive Entwicklung haben. Anders bei den älteren Arbeitslosen: "Wenn das Wirtschaftswachstum nachlassen würde, wird es aber für Ältere, die keine Arbeit haben, noch schwieriger werden."
  • Aus der FTD vom 20.12.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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