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Merken   Drucken   11.05.2011, 23:07 Schriftgröße: AAA

Plagiatsverdacht: FDP-Politikerin Koch-Mehrin tritt zurück

Nach langem Zögern zieht die FDP-Spitzenpolitikerin die Konsequenzen aus den Plagiatsvorwürfen. Silvana Koch-Mehrin legt alle politischen Führungsämtern nieder. Die Uni Heidelberg prüft, ob ihr die Doktorwürde entzogen werden muss.
Gut zwei Monate nach dem damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist nun auch die FDP-Europapolitikerin Silvana Koch-Mehrin von ihren politischen Ämtern zurückgetreten. "Mit sofortiger Wirkung" lege sie ihre Posten als Vorsitzende der FDP im Europaparlament und Vizepräsidentin des Europaparlaments nieder. Das ließ Koch-Mehrin am Mittwochabend in einer schriftlichen Erklärung verbreiten. Damit sitzt sie auch nicht mehr im FDP-Präsidium, in dem sie qua Amt vertreten war.
Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin tritt von allen Ämtern ...   Die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin tritt von allen Ämtern zurück
FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte: "Wir nehmen die Entscheidungen Silvana Koch-Mehrins mit Respekt zur Kenntnis und danken ihr für ihren langjährigen Einsatz für die liberale Sache." Zuvor hatte der Berliner "Tagesspiegel" gemeldet, dass die Universität Heidelberg, die die Vorwürfe prüft, Koch-Mehrin ihren Doktortitel aberkennen wolle. Grund seien mehrere festgestellte Plagiate.
Mit ihrem Schritt schuf Koch-Mehrin rechtzeitig vor dem am Freitag beginnenden wichtigen FDP-Parteitag Klarheit. "Ich hoffe, dadurch meiner Partei den Neuanfang mit einem neuen Führungsteam zu erleichtern", sagte die 40-Jährige, die bisher eisern zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, in ihrer Rücktrittserklärung. "Ich möchte mit diesem Schritt auch verhindern, dass meine gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet wird." Ihre Funktion als Abgeordnete im Europaparlament will sie nach Angaben ihres Sprechers beibehalten.
Sie hatte 1999 eine wirtschaftshistorische Dissertation an der Universität Heidelberg eingereicht und 2001 veröffentlicht. In ihrer Arbeit "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" ging es um die lateinische Münzunion.
Einer Untersuchung der Internet-Plattform "VroniPlag Wiki" zufolge hat Koch-Mehrin gezielt abgeschrieben. "Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden auf 56 von 201 Textseiten Plagiatstellen nachgewiesen. Dokumentiert sind Textübernahmen aus insgesamt 15 verschiedenen Quellen", heißt es in dem Bericht. Auf der Plattform arbeiten anonyme Aktivisten ähnlich wie zuvor im Fall Guttenberg zusammen, um Koch-Mehrins Arbeit - aber nicht nur diese - zu überprüfen.
Auf die Vorwürfe selbst ging Koch-Mehrin in ihrer Rücktrittserklärung nicht ein. Sie verwies auf die Prüfung durch die Uni Heidelberg. "Ich möchte, dass diese Prüfung nun vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt und nicht dadurch belastet wird, dass ich herausgehobene Ämter innehabe."
  • Reuters, 11.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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