Klarsfeld wurde über die Grenzen Deutschlands bekannt, als sie den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger 1968 ohrfeigte. Die Journalistin wollte damit auf die Nazi-Vergangenheit des Kanzlers hinweisen. Klarsfeld hatte sich dafür engagiert, die nationalsozialistische Vergangenheit westdeutscher Politiker aufzudecken, und war deswegen auch wiederholt mit der Justiz in Konflikt geraten.
Erfolgreich bemühte sich die gebürtige Berlinerin um die Auslieferung des in Bolivien lebenden ehemaligen Gestapochefs von Lyon, Klaus Barbie, nach Frankreich. Nach dessen Verurteilung sprach sie vom "wichtigsten Ergebnis ihrer zahlreichen Aktionen".
Die Linke sympathisiert schon seit längerem mit der Nazi-Jägerin. 2009 schlug die Bundestagsfraktion sie für das Bundesverdienstkreuz vor. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), der für die Ehrung im Ausland lebender Deutscher verantwortlich ist, lehnte ab. In Frankreich wurde sie von Präsident Nicolas Sarkozy zum "Offizier der Ehrenlegion" ernannt. In der Bundesrepublik hängt ihr die Kanzlerohrfeige nach.
Chancen hätte eine Kandidatin der Linken aber nicht. Die Partei stellt rund zehn Prozent der Wahlleute in der Bundesversammlung. Die große Mehrheit steht hinter dem früheren DDR-Bürgerrechtler Gauck. Gewählt wird das neue Staatsoberhaupt am 18. März.