Wenn man sich von überflüssigen Mitarbeitern trennen will, wird trotzdem meistens die Form gewahrt. "Im gegenseitigen Einvernehmen" heißt es dann so schön. Davon kann beim Abgang des Bundesumweltministers nicht die Rede sein. Norbert Röttgen durfte nicht zurücktreten, nicht einmal vor die Presse treten wie der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, um sich noch einmal zu erklären. Angela Merkel hat ihn schlicht und einfach entlassen.
Die Formulierungen, die Merkel wählte, lassen darauf schließen, dass Röttgen nicht ganz freiwillig aufgab. Offensichtlich musste sie nachhelfen. Die Kanzlerin war nach dem Debakel bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen zutiefst erschüttert. Über das - trotz bundespolitischem Rückenwind und persönlich enorm starkem Engagement - historisch miserable Ergebnis der CDU. Und genauso über die tölpelhafte Art und Weise, wie Röttgen die Misere herbeiführte, ja wie er zum Ende des Wahlkampfes die Kanzlerin sogar verantwortlich machen wollte für die drohende Niederlage. So wurde aus Merkels Liebling binnen Wochen Merkels Fiesling.
Seit Sonntag sind die Rufe nach einem Rücktritt des Umweltministers immer lauter geworden. Erst waren es nur die Oppositionsparteien, die Röttgen knüppelten und Merkel treffen wollten. Dann stimmten auch Unionspolitiker in den Ruf mit ein. Eine Steilvorlage lieferte der Kanzlerin schließlich CSU-Chef Horst Seehofer, der den CDU-Minister in einem beispiellosen öffentlichen Wutausbruch herunterputzte. So war es kein Himmelfahrtskommando mehr, als Merkel jetzt Kante zeigte und ihren Minister eiskalt abservierte.
Den Zeitpunkt hat sie geschickt gewählt, viele Bürger sind bereits auf dem Weg in ein verlängertes Wochenende. Und nächste Woche, wenn sich die ersten Wogen geglättet haben, beginnt unter dem neuen Umweltminister Peter Altmaier der von Merkel geforderte "personelle Neuanfang".