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Merken   Drucken   10.01.2011, 16:57 Schriftgröße: AAA

S-Bahn-Chaos: Abgeordnete lachen Bahnchef aus

Ein langer Tag für Rüdiger Grube: Erst muss er wegen des Winterchaos im Berliner Abgeordnetenhaus Rede und Antwort stehen, dann im Bundesrat. Die Parlamentarier reagieren auf Grubes Erklärungsversuche zum Teil mit Spott.
Bahnchef Rüdiger Grube  hat sein Unternehmen gegen den Vorwurf mangelnder Vorbereitung in Schutz genommen. Bei einer Anhörung vor dem Verkehrsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses machte Grube für die zahlreichen S-Bahn-Ausfälle im Dezember vor allem den strengen Winter mit viel Schnee verantwortlich. Die Bahn sei "so umfangreich vorbereitet" gewesen sei wie noch nie zuvor, sagte Grube. Die Aussage wurde von den Parlamentariern mit Gelächter quittiert.
Rüdiger Grube hält eine erneute Entschädigung für S-Bahn-Kunden ...   Rüdiger Grube hält eine erneute Entschädigung für S-Bahn-Kunden für möglich
Wegen der andauernden starken Einschränkungen stellt die Bahn den Kunden eine weitere Entschädigung in Aussicht. "Wir denken über eine Lösung nach und werden uns Ende Januar 2011 konkret äußern", sagte Grube. Früher sei das nicht möglich, weil die Entschädigung mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) abgestimmt werden müsse.
Die seit anderthalb Jahren andauernden Technikprobleme der Berliner S-Bahn habe die Deutsche Bahn 2009 und 2010 zusammen 370 Mio. Euro gekostet. Bis 2014 erwarte der Konzern eine Kostenbelastung von insgesamt 700 Mio. Euro, sagte Grube. "Wir haben bisher 1 Mrd. Euro in die S-Bahn investiert, aber noch keinen Euro damit verdient. Wir werden auch bis zum Auslaufen des Verkehrsvertrages mit den Ländern Berlin und Brandenburg Ende 2017 keinen Euro mit der S-Bahn verdienen."
Nach seiner Anhörung im Abgeordnetenhaus wird Grube am Nachmittag im Bundesrat zu einer Verkehrsministerkonferenz erwartet. Thema ist auch dort das allgemeine Winterchaos beim Bahnkonzern. Mehrere Länder fordern von der schwarz-gelben Bundesregierung, auf die jährliche Zahlung von 500 Mio. Euro der Bahn an den Bund zu verzichten.
Die Bundesländer und kommunalen Zweckverbände als Besteller des regionalen Schienenverkehrs fordern ein Investitionsprogramm für Züge und Gleise. "Wir wollen, dass möglichst viel in das Bahnsystem investiert wird, weil wir dort einen großen Investitionsstau haben", sagte der Konferenzvorsitzende, Brandenburgs Verkehrsminister Jörg Vogelsänger (SPD), vor Beginn des Treffens.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft Schienenpersonennahverkehr (BAG-SPNV), die die Besteller vertritt, kritisierte den Sparkurs der Bahn in den vergangenen Jahren. In Deutschland sei nur jede zweite Weiche beheizt, das reiche nicht, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Organisation, Susanne Henckel, im Deutschlandradio Kultur. Zudem müsse es mehr Überholmöglichkeiten für Züge und generell mehr Flexibilität im Schienennetz geben, damit nicht jede Verspätung im Fernverkehr Auswirkungen auf die Regionalverbindungen habe.
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer  (CSU) hatte am Sonntag im ZDF angekündigt, er wolle in der Regierung dafür werben, die 500-Mio.-Euro-Dividende überwiegend zur Finanzierung von Verkehrsprojekten zu nutzen. Zugleich verteidigte er die Haltung der Regierung, auf die Ausschüttung nicht zu verzichten.
  • FTD.de, 10.01.2011
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