FTD.de » Politik » Deutschland » Anleger erklären Italien den Krieg

Merken   Drucken   11.07.2011, 21:46 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Anleger erklären Italien den Krieg

Die Schuldenkrise in Europa hat sich dramatisch verschärft: Bei Anleihen und Aktien hat ein Ausverkauf eingesetzt. Da Italien für den Rettungsschirm zu groß ist, reagieren Investoren extrem nervös. Die Euro-Regierungen drängen Berlusconi forsch zum Sparen. von Peter Ehrlich  Brüssel und Stefan Schaaf, Frankfurt
Angesichts der schwierigen Finanzlage Italiens begann am Montag ein Ausverkauf italienischer Staatsanleihen und Aktien. Das Land gilt als zu groß, um durch Hilfen aus den Euro-Rettungsschirmen zeitweise vom Markt genommen werden zu können. Deutschland und andere EU-Staaten verlangten von Regierungschef Silvio Berlusconi deshalb schnelle Sparbeschlüsse.
Hintergrund sind die Probleme der drittgrößten Volkswirtschaft der Euro-Zone: Die Staatsverschuldung liegt bei 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und ist damit die europaweit zweithöchste hinter der Verschuldung Griechenlands. Die Wirtschaft stagniert. Ende vergangener Woche kamen zudem Zweifel auf, dass ein Sparprogramm im Umfang von 40 Mrd. Euro tatsächlich verwirklicht wird.
Die Kirche Santi Luca e Martina in Rom   Die Kirche Santi Luca e Martina in Rom
Investoren reagierten extrem nervös. Wegen des Anstiegs der Anleiherenditen dürften sich die Refinanzierungskosten für hoch verschuldete Staaten erhöhen. Allein Italien muss in den kommenden fünf Jahren Schulden von 900 Mrd. Euro durch neue Anleihen ersetzen. Auch Spanien geriet unter Beschuss: Die Zinsen auf zehnjährige Anleihen stiegen auf mehr als sechs Prozent - den höchsten Wert seit der Euro-Einführung. Europaweit gaben die Aktienmärkte deutlich nach, der Euro fiel erstmals seit Ende Mai unter 1,40 Dollar. Investoren flohen besonders aus Finanzwerten: Commerzbank-Aktien verloren 8,6 Prozent.
Die Institute bemühen sich indes, ihre Investments in den Schuldenstaaten loszuwerden. Der Financial Times zufolge fordert ein Konsortium europäischer Banken mit hohen Beständen griechischer Anleihen den Rückkauf der Papiere durch die EU. Der Vorschlag würde das Volumen des bisherigen Hilfspakets für Griechenland deutlich übersteigen. Der Vorschlag dürfte bei der Bundesregierung auf Ablehnung stoßen. Mit Blick auf Italiens hohe Verschuldung drängte EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi die heimischen Banken zur Stärkung ihrer Kapitalbasis. Weil sie viele Staatsanleihen hielten, seien sie stark den Risiken des Landes ausgesetzt.
Die kritische Lage an den Finanzmärkten war auch Thema bei einem Spitzentreffen europäischer Politiker bei EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy sowie bei der anschließenden Sitzung der Euro-Finanzminister. Van Rompuy erklärte nur, es habe sich um eine Routinesitzung gehandelt, in der es vor allem um Griechenland gegangen sei. Die immer noch ausstehenden Einzelheiten über ein zweites Hilfsprogramm für Griechenland - vor allem in der Frage einer Beteiligung privater Gläubiger - tragen allerdings zur Unsicherheit am Markt bei. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Spaniens Ministerpräsident José Luis Zapatero forderten von den Ministern eine Beschleunigung ihrer Arbeit.
Österreichs Finanzministerin Maria Fekter sagte: "Die Krise ist noch nicht ausgestanden." Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) wandte sich gegen Überlegungen, vorsichtshalber den Umfang der Euro-Rettungsschirme zu vergrößern: "Davon kann überhaupt keine Rede sein."
Die Regierung Berlusconi bemühte sich um Schadensbegrenzung. Nach dessen Kritik an Finanz- und Wirtschaftsminister Giulio Tremonti sagten Vertraute des Ministerpräsidenten, nun müsse die Regierung zusammenstehen. Merkel sagte, Italien müsse schnell einen Sparetat beschließen. Sie habe "festes Vertrauen", dass dies geschehen werde.
Angesichts der Verwerfungen an den Märkten setzte die EU-Kommission ihre Attacken gegen die Macht der Ratingagenturen fort. Justizkommissarin Viviane Reding forderte deren Zerschlagung. Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagte, Banken sollten mehr eigene Analysen erstellen.
  • Aus der FTD vom 12.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote