Spott und Häme in den Blogs:Internetwächter Kauder gesteht Foto-Klau
Verstöße gegen das Urheberrecht will der CDU-Politiker mit drei Wochen Internetsperre bestrafen. Dabei hat Siegfried Kauder selbst bei Fotos auf der eigenen Homepage geschummelt. Der Sünder ist geständig, aber keinesweg reuig. von Sarah Mühlberger,
Fabian Herrmann
und Kai BellerBerlin
Der Fall war nicht mehr zu leugnen: Der CDU-Abgeordnete Siegfried Kauder hat urheberrechtlich geschützte Fotos auf seine eigene Website gestellt. Internetaktivisten überführten den Rechtsexperten, der noch am Montag gefordert hatte, Verstöße gegen das Urheberrecht mit Internetverbot zu bestrafen. Am Donnerstag flog dem Vorsitzenden des Rechtsausschusses des Bundestags sein Vorstoß um die Ohren, Internetaktivisten wollen den 60-Jährigen selbst von der virtuellen Welt abklemmen.
Kauder räumte den Verstoß in einer schriftlichen Erklärung ein. Doch in Sack und Asche will er deshalb nicht gehen. Stattdessen droht er der Presse. Aber das ist nur vor dem Hintergrund der Vorgeschichte zu verstehen.
Siegfried Kauder
Schon nach der Ankündigung seiner Gesetzesinitiative wurde der Bruder des Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder mit Spott überschüttet. Die Idee: ein "Three Strikes"-Warnmodell, bei dem beim dritten Urheberrechtsverstoß die Internetverbindung für drei Wochen gekappt wird. Fraktionskollege Peter Altmaier ließ noch am selben Tag per Kurznachrichtendienst Twitter wissen: "Kauder-Strikes geht gar nicht: Wer Bücher klaut, ist kriminell, aber man nimmt ihm nicht die Lesebrille weg."
Am Donnerstag klickte sich ein Mitglied der Piratenpartei durch Kauders Internetauftritt - mit nicht minder peinlichem Resultat. Mindestens zwei Fotos verwende Kauder auf seiner Homepage, ohne dass es Urheberrechtshinweise gebe - zu sehen sind ein Schlösschen und eine Burg aus seinem Wahlkreis im Schwarzwald.
Kauder wertet das als Beweis, dass sein Warnmodell funktionieren kann. "Ich wurde auf die Verwendung von zwei Lichtbildern auf meiner Homepage aufmerksam gemacht, die urheberrechtlich geschützt sind", schreibt der CDU-Mann. Seine verblüffende Schlussfolgerung: "Die Fotos sind entfernt. Also: Das Warnmodell funktioniert." Den ertappten Sünder will der Jurist nicht geben.
Er geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Urheberrechte an den beiden Fotos stünden ihm inzwischen zu. "Dies als Warnhinweis für eine eventuelle Absicht, die Fotos im Rahmen ihrer Berichterstattung zu verwenden."
Den Spott der Webgemeinde muss der Christdemokrat aber über sich ergehen lassen. Über Twitter lief eine originelle Begriffserklärung für "kaudern": "Das Urheberrecht anderer per einfacher Stellungnahme auf sich übertragen", schrieb dort der User Jens Scholz.
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