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Merken   Drucken   20.02.2012, 21:12 Schriftgröße: AAA

Streik am Frankfurter Flughafen: Auf dem Vorfeld festgefahren

Eine Tarifeinigung ist nicht absehbar, beide Seiten sprechen nicht einmal mehr miteinander. Der harte Flügel der Flugsicherungs-Gewerkschaft dreht auf. von Ulf Brychcy  Hamburg
Der Tarifkonflikt auf dem Frankfurter Flughafen tobt, beide Seiten schenken sich nichts. "Wir sind in der Lage, längere Streikphasen durchzustehen", beteuert ein Sprecher des Flughafenbetreibers Fraport . "Wir lassen uns von denen nicht vorführen", schimpft Dirk Vogelsang, Verhandlungsführer bei der Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF).
Streik am Flughafen Frankfurt   Streik am Flughafen Frankfurt
Eine Einigung zeichnet sich nicht ab, beide Seiten sprechen nicht einmal miteinander. Der Ausstand der rund 190 Vorfeldbeschäftigten wird sich deshalb am Dienstag fortsetzen - erneut mit gravierenden Auswirkungen für viele Passagiere: Hunderte Flüge werden gestrichen, Verspätungen lassen sich nicht vermeiden.
Dass der Arbeitskampf auf Deutschlands größtem Flughafen so erbittert geführt wird, dürfte kaum am GdF-Bundesvorsitzenden Michael Schäfer liegen. Der 56-jährige gelernte Flugdatenbearbeiter verteidigt zwar die Lohnforderungen seiner Gewerkschaft. Aber er sagt auch: "Wir sind gesprächsbereit." Schäfer gilt in der Branche als Mann des Ausgleichs. Nicht "Michi", wie ihn seine Kollegen bei der Deutschen Flugsicherung (DFS) nennen, hält die Brandreden in diesem Tarifkampf, sondern sein Vorstandskollege Markus Siebers und eben Verhandlungsführer Vogelsang. "Das sind die beiden Antreiber", heißt es sogar unter Kollegen. Der 44-jährige Siebers, im Hauptberuf Fluglotse, ist im GdF-Vorstand zuständig für das Tarif- und Rechtswesen. Allein Vogelsang kann sich aber mit seiner ganzen beruflichen Kraft der harten Tarifauseinandersetzung widmen.
Michael Schäfer   Michael Schäfer
Der 55-jährige Rechtsanwalt und Arbeitsrechtler hatte die Spartengewerkschaft GdF schon bei ihrer Gründung im Jahr 2004 beraten und steht ihr seitdem mit seiner Kanzlei in Bremen zur Seite. Etwa im vergangenen Jahr, als sich die Fluglotsen mit ihrem Arbeitgeber DFS angelegt hatten und erhebliche Einkommenssteigerungen durchsetzen konnten. Viele Jahre zuvor hatte Vogelsang bereits für die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) Tarifkonflikte ausgefochten.
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Bei den Fluglotsen hatten für Siebers und Vogelsang noch Streikandrohungen ausgereicht, um zum Ziel zu kommen. Das lag auch daran, dass Verkehrsminister Peter Ramsauer der bundeseigenen DFS mehr oder weniger ein Nachgeben verordnete. Der CSU-Politiker wollte damals die bundesweite Stilllegung des Flugverkehrs durch Streiks vermeiden.
Die Möglichkeit, so durchzugreifen hat Ramsauer diesmal nicht. Die Bundesregierung hält sich daher zurück und verweist auf die Tarifautonomie. Schließlich kämpft die GdF nicht gegen ein Bundesunternehmen, sondern gegen den börsennotierten Fraport-Konzern. Der Vorstand aber lehnt die Forderungen strikt ab. Diese würden bei den Flugvorfeldmitarbeitern auf Gehaltserhöhungen von bis zu 70 Prozent hinauslaufen, so Fraport.
Immerhin: Mehr als 80 Prozent des Flugbetriebs konnte Fraport am Montag nach eigenen Angaben aufrechterhalten, vor allem Interkontinentalverbindungen mussten nicht leiden. Fraport-Mitarbeiter, die einst auf dem Vorfeld tätig waren, sind für die Streikenden eingesprungen. Zudem werden Mitarbeiter von anderen Airports rekrutiert. So soll der Streik der GdF ausgehebelt werden.
"Wir machen ohne Atempause weiter", kündigt Vogelsang an und verweist auf hohe Streikkosten. Laut Analystenschätzungen verliere Fraport pro Streiktag bis zu 2 Mio. Euro Umsatz. Noch größer sei der Schaden bei der Lufthansa, die an den beiden ersten Streiktagen bis zu 40 Mio. Euro an Erlösen eingebüßt habe. Der GdF-Vorsitzende Schäfer reicht schon mal die Hand: "Der Schlichterspruch ist doch eine gute Basis." Der sehe auf vier Jahre Lohnsteigerungen von bis zu 28 Prozent vor.
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  • Aus der FTD vom 21.02.2012
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