Die öffentliche Beschaffung ist für Ulrich Bergmoser, Mitglied der Booz-Geschäftsleitung, mit der Situation des deutschen Bildungssystems vor der ersten PISA-Studie vergleichbar. "Die Verwaltungen wissen häufig nicht, wie effizient sie einkaufen - geschweige denn, wie grün oder ethisch. Dazu fehlen vielfach schlicht die notwendigen Datengrundlagen", sagte er. Da vielen Behörden ihr Preisnachteil gar nicht bewusst sei, bestehe auch wenig interner Reformdruck.
Als Beispiel für eine geglückte Modernisierung ehemals ineffizienter Auftragsvergabe gilt die Bundesagentur für Arbeit, die aus den Arbeitsämtern hervorgegangen ist. Im Gegensatz dazu sehen aber viele Behörden den öffentlichen Einkauf immer noch als reinen rechtlichen Vergabeakt. "Vielerorts wird so gut wie nie datenbezogen gearbeitet", bemängelt Booz-Geschäftsführer Rainer Bernnat. Beispielsweise würden eingehende Angebote nur untereinander, aber nicht mit dem Markt oder den eigenen Preishistorien verglichen.
Ein eklatantes Beispiel von öffentlicher Verschwendung seien die hohen Kosten im Flottenmanagement. Trotz des Behördenrabatts für Fahrzeuge geben Behörden insgesamt für ihre Flotten mehr aus als Privatunternehmen - unter anderem wegen schlechter Auslastung und teurerer Wartung.