Damit verschob die FDP die personelle Erneuerung auf die lange Bank. Es gab Zweifel, ob der Burgfrieden hält. Nach den Äußerungen der Justizministerin dürfte es für Westerwelle eng werden.
Großer Unmut herrschte nach Angaben aus Parteikreisen weiter über Wirtschaftsminister Brüderle. Sein angekündigter Rückzug vom Landesvorsitz in Rheinland-Pfalz zum 7. Mai werde möglicherweise nicht ausreichen. Brüderle unterstrich, er wolle Minister bleiben. "Natürlich, macht doch Spaß", begründete er sein Ansinnen. Der FDP-Politiker hatte mit umstrittenen Äußerungen bei einer BDI-Tagung für Empörung gesorgt, wonach das Atom-Moratorium der Koalition allein der Wahltaktik geschuldet gewesen sei. Er sprach von einem Protokollfehler.
Die Forderungen nach umfassenden inhaltlichen wie personellen Konsequenzen aus den jüngsten Wahlschlappen wurden nochmals lauter. Der ehemalige Partei- und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt sagte, angesichts der existenziellen Herausforderung für die FDP sei eine gründliche Inventur notwendig. "Wir müssen jetzt in Personal und in Sache genau unseren Standort bestimmen", mahnte Gerhardt im Deutschlandfunk.
Der Alt-Liberale Gerhart Baum forderte Vertreter der jungen Generation wie NRW-Landeschef Daniel Bahr, Gesundheitsminister Philipp Rösler und Generalsekretär Christian Lindner auf, die Macht an sich zu reißen. Leutheusser-Schnarrenberger forderte eine Grundsatzdebatte. Die FDP müsse inhaltlich auf die Höhe kommen, meinte sie. Juli-Chef Lasse Becker monierte, er könne die Beteuerungen der Parteispitze "Wir haben verstanden" nicht mehr hören. Es müsse jetzt eine schonungslose Fehleranalyse geben.