Fluggesellschaften müssen im Sommer kräftig Geld verdienen, sonst sieht es am Jahresende düster aus. Genau das wird Air Berlin wohl passieren. Das Ziel schwarzer Zahlen im nächsten Jahr stellt die Airline klammheimlich in Frage.
von Jennifer Lachman
Air Berlin startet extrem finanzschwach in die traditionell harten Wintermonate. Die Eigenkapitalquote bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft belief sich zuletzt auf 14 Prozent, das sind sieben Prozentpunkte weniger als noch vor einem Jahr. In den ersten neun Monaten konnte der Lufthansa-Wettbewerber aus dem operativen Geschäft einen Cashflow von nur mehr 33 Mio. Euro ziehen - ein Viertel dessen, was im selben Zeitraum 2010 frei wurde. Netto verbrennt Air Berlin sogar Geld, wie aus dem Zwischenbericht hervorgeht, den das Unternehmen am Donnerstag vorgelegt hat. Die Nettoverschuldung schnellte von 489 Mio. auf 644 Mio. Euro hoch.
Die Aussichten auf eine schnelle Erholung bei Air Berlin trüben sich damit ein, denn in den Monaten zwischen November und Februar schreiben Fluggesellschaften in der Regel Verluste. Es reisen weniger Touristen als etwa im Sommer, zudem wirbelt Schnee und Eis den Flugplan durcheinander. "2011 ist und wird kein gutes Jahr werden", sagte Konzernchef Hartmut Mehdorn am Donnerstag.
Es war das erste Mal, dass der 69-Jährige Quartalsergebnisse präsentierte: Der frühere Bahn-Chef war im August eingesprungen, nachdem Gründer Joachim Hunold kurzfristig vom Vorstandsvorsitz zurückgetreten war. Bereits bekannt war, dass Air Berlin bei 1,38 Mrd. Euro operativ 96,8 Mio. Euro verdient hat. Neu ist, dass sich der Nettogewinn von 136 Mio. Euro auf 30,2 Mio. Euro verkleinert hat.
Air Berlin leidet unter externen Faktoren ebenso wie unter strukturellen Problemen. Die Luftverkehrsteuer trifft die Fluggesellschaft hart, weil sie viele preissensible Passagiere befördert und - anders als die Lufthansa - vor allem auf der Kurz- und Mittelstrecke fliegt.
Air Berlin kämpfte mit zu billigen Preisen
Bei solchen Ticketpreisen schlägt sich die Abgabe deutlicher nieder als bei Langstreckenflügen. Hinzu kommt, dass touristische Ziele wie Nordafrika sich von den Unruhen Anfang des Jahres noch nicht erholt haben. Allerdings hat Air Berlin auch zu lange mit billigen Preisen um Marktanteile gekämpft. Jetzt gelte es, das Erreichte zu sichern, sagte Mehdorn.
Um gegenzusteuern, hat die Unternemensführung ein Sparprogramm aufgelegt, das das Ergebnis 2012 um 200 Mio. Euro verbessern soll. 100 Mio. Euro zusätzliche Erlöse soll etwa der Beitritt zur Oneworld-Allianz bringen, der für das Frühjahr geplant ist. Ähnliche Einsparungen will Mehdorn dadurch erreichen, dass er das Streckennetz verkleinert und die Kosten drückt. Allerdings zeigte er sich in Summe auch bei den Aussichten für das kommende Jahr zurückhaltender.
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