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Merken   Drucken   05.05.2012, 15:38 Schriftgröße: AAA

Erschwindelter College-Abschluss: Großaktionär will Yahoo-Chef absägen

Er hat seinen Abschluss erfunden, dafür soll er jetzt gehen: Per Ultimatum versucht Großaktionär Dan Loeb, die Entlassung des in Misskredit geratenen Yahoo-Chefs Scott Thompson zu erzwingen.
© Bild: 2012 AFP/JUSTIN SULLIVAN
Er hat seinen Abschluss erfunden, dafür soll er jetzt gehen: Per Ultimatum versucht Großaktionär Dan Loeb, die Entlassung des in Misskredit geratenen Yahoo-Chefs Scott Thompson zu erzwingen.

Der falsche College-Abschluss von Yahoo -Chef Scott Thompson bringt den Internet-Konzern in die Schlagzeilen. Der Großaktionär, der die falsche Information in Thompsons Lebenslauf aufspürte, fordert jetzt dessen rasche Entlassung. Fondsmanager Dan Loeb verlangte vom Yahoo-Verwaltungsrat, Thompson bis Montagmittag zu feuern. Der Internet-Konzern hatte am Donnerstag zugegeben, dass Thompson entgegen bisherigen Angaben keinen Bachelor-Titel in Computerwissenschaften hat.

"Unbeabsichtiger Fehler"

Loeb will schon lange in das Yahoo-Aufsichtsgremium einziehen und den Kurs des Konzerns mitbestimmen. Die Affäre um Thompson gibt ihm jetzt Rückenwind. In einem Brief an den Yahoo-Verwaltungsrat forderte Loeb auch Auskunft darüber, wieso bei der Auswahl Thompsons die falsche Information nicht entdeckt wurde. Vor allem will Loeb wissen, ob Mitglieder des Aufsichtsgremiums von dem falschen Titel wussten. Wird das Ultimatum nicht erfüllt, werde seine Investmentfirma Third Point weitere Schritte in Erwägung ziehen. Third Point hält 5,8 Prozent an Yahoo.

Yahoo hatte zunächst von einem "unbeabsichtigten Fehler" gesprochen, später aber angekündigt, der Verwaltungsrat werde sich mit dem Thema befassen. Schnell wurde klar, dass die falsche Information schon vor Jahren in Thompsons offizieller Biografie während seiner Zeit bei der Online-Handelsplattform Ebay  auftauchte. Außerdem wurde ein Rundfunk-Interview bekannt, in dem Thompson eine Journalistin nicht korrigierte, nachdem diese seine Titel aufgezählt hatte.

Mitarbeiter sollen sich von der Aufregung nicht ablenken lassen

Am Freitag rief Thompson die Mitarbeiter in einer knappen E-Mail auf, sich von der Aufregung nicht ablenken zu lassen. Der Verwaltungsrat prüfe die Sache und werde sich danach äußern. "In der Zwischenzeit mache ich das, was sie hoffentlich auch machen: Mich auf unsere Kunden, Aktionäre und Team zu fokussieren, sowie darauf, Yahoo schnell voranzubringen."

Thompson kam Anfang des Jahres zu dem mit Umsatzrückgängen kämpfenden Internet-Pionier. Yahoo lebt von Online-Werbeeinnahmen. Und in diesem Geschäft sind Konkurrenten wie Google  und zuletzt auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook immer stärker geworden. Thompson, der zuvor die Ebay-Bezahltochter Paypal führte, leitete einen Sparkurs mit drastischem Stellenabbau ein. Vor seinem Antritt war Yahoo monatelang führungslos, nachdem die vorherige Chefin Carol Bartz nach zwei Jahren an der Konzernspitze gefeuert worden war.

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  • dpa, 05.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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