Der Internet-Lottoanbieter Tipp24 will sein Deutschland-Geschäft abspalten und treibt seine Aktie damit trotz schwachen Marktumfeldes auf ein Rekordhoch. Die Aktie stieg zwischenzeitlich um 7,2 Prozent auf über 43 Euro, der beste Wert seit dem Börsengang 2005. Der S-DAX, in dem Tipp24 gelistet ist, fiel um 1,5 Prozent.
Um in Deutschland flexibel agieren zu können, wird das Inlands-Geschäft des Hamburger Anbieters in die eigenständige Lotto24 AG übergehen. Die Anteile überträgt das Unternehmen auf seine Aktionäre: Statt einer Dividende gibt es für jede Aktie einen Anteilsschein der neuen Aktiengesellschaft. Ein vom Unternehmen in Auftrag gegebenes Gutachten schätzt den Wert des Deutschland-Geschäfts auf knapp 20 Millionen Euro, woraus sich bei rund acht Millionen Tipp24-Aktien eine rechnerische Dividende von 2,50 Euro ergibt. Bereits im Juli soll der Börsengang erfolgen.
Der neue Glücksspiel-Änderungsvertrag der Bundesländer hat Tipp24 zum Handeln gezwungen. Im Januar 2008 hatte das Gesetzt privates Online-Glücksspiel in Deutschland nahezu komplett verboten. Tipp24 verdient sein Geld seitdem vor allem in Großbritannien - mit Geschäftsmodellen, die auch auf deutsche Spieler abzielen und die hiesige Behörden daher für gesetzeswidrig halten.
Ab Sommer soll nun ein neuer Staatsvertrag gelten, der den Markt wieder für private Anbieter öffnet. Tipp24-CEO Hans Cornehl befürchtet, wegen der Streitigkeiten mit den Behörden bei der Vergabe neuer Lizenzen für Deutschland hinter der Konkurrenz zurückzustecken. "Die Genehmigungen, die wir brauchen, würden Tipp24 mit den Aktivitäten unserer Minderheitsbeteiligungen in England nicht ohne Weiteres erteilt werden", sagt er.
Die Abspaltung ist ein geschickter Schachzug: Lotto24 kann unbelastet mit den deutschen Genehmigungsbehörden verhandeln; Tipp24 kann sich ohne Rücksicht auf den deutschen Markt auf das internationale Geschäft konzentrieren. Und die Aktionäre haben es selbst in der Hand: Entweder sie bauen auf Wachstum im Inland und behalten die neuen Aktien, oder sie stoßen die Anteile ab und lassen sich - über Umwege - eine Dividende auszahlen.