Die Hongkonger Börse muss auf mehr Glanz und Glamour in den eigenen Reihen vorerst verzichten. Der britische Edel-Juwelier Graff Diamonds sagte wegen des derzeit schwierigen Marktumfelds seinen für diese Woche geplanten Gang aufs Parkett ab.
Es sollte der größte IPO in diesem Jahr in Asien werden. Nicht nur deshalb ist der Rückzug von Graff ein herber Schlag. Diese Woche wurden bereits drei weitere große Börsengänge in der Region abgesagt.
Auch in anderen Ländern bringen IPOs derzeit nicht die erhofften Erfolge. Der mit großen Erwartungen verbundene Börsengang des Online-Netzwerks Facebook etwa geriet zum Debakel. Die Aktie befindet sich seit ihrer Erstnotierung auf Talfahrt und schreckt damit andere Börsenaspiranten ab.
Das Umfeld für Börsengänge ist derzeit ungünstig. Die Euro-Krise verunsichert die Anleger rund um den Erdball. In China kühlt sich zudem das Wirtschaftswachstum merklich ab. Auch wenn das Land als der weltweit am schnellsten wachsende Markt für Luxusgüter gilt, zog der für seine riesigen Edelsteine und seltenen Diamanten bekannte Londoner Juwelier Graff deshalb nun die Notbremse. "Beständig fallende Aktienmärkte stellen sich als deutliche Barriere dar, die Transaktion jetzt durchzuführen", teilte Graff am Donnerstag mit. Der Juwelier sollte kommende Woche an der Börse notieren, die milliardenschwere Emission sollte Freitag bepreist werden.
Graff wäre mit dem Sprung aufs Hongkonger Parkett dem italienischen Modehaus Prada gefolgt, das seinen Namen in Asien mit seiner Börsenpräsenz noch bekannter machen will. Die Briten wollten ihr Asien-Geschäft mit dem Geld aus dem Börsengang ausbauen. Doch gerade die Aktien von Luxusgüter-Herstellern fallen an der Hongkonger Börse derzeit stark. "Wir haben letztendlich entschieden, dass es angemessener ist auf bessere Zeiten zu warten", sagte eine mit dem Graff-IPO vertraute Person.
"Der Appetit auf Börsengänge ist ziemlich gering wegen der weltwirtschaftlichen Situation", sagte Eugene Mak, Analyst beim Brokerhaus Core Pacific Yamaichi in Hong Kong. Es sei für die Unternehmen eine schwierige Situation.
Experten befürchten, die schlechte Börsenstimmung könnte auch andere geplante IPOs belasten, wie das milliardenschwere geplante Debüt des Rennsportveranstalters Formel 1 in Singapur. In Hongkong sank das IPO-Volumen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 85 Prozent.