Zu welchem Preis das geschehen wird, steht noch in den Sternen. Allerdings seien "harte Verhandlungen" mit Vattenfall zu erwarten, sagt Christoph Holstein von der Senatspressestelle. Und er ergänzt: "Es gilt, die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt hinsichtlich ihrer Energieversorgung zurückzugewinnen, war doch die ungebremste Privatisierung nicht immer zum Vorteil der Stadt."
In den letzten drei Jahren sind nach Angaben des VKU bundesweit rund 40 neue Stadtwerke gegründet worden. Zudem laufen jedes Jahr rund 1000 sogenannte Konzessionsverträge aus, bei denen die Kommunen den Energieversorgern das Recht auf die Nutzung öffentlicher Leitungen einräumen. "Durch das Auslaufen dieser Verträge ergeben sich für viele kommunale Unternehmen interessante Handlungsoptionen", verweist VKU-Hauptgeschäftsführer Reck auf die sich bietenden Chancen. Die Stadtwerke haben in letzter Zeit bundesweit rund 100 neue Konzessionen übernommen.
Doch ist der Erwerb der lokalen Netze allein kein Garant für Erfolg. Denn wenn die Stadtwerke keine eigenen Kraftwerke betreiben, bleiben sie allein vom Stromkauf an den Börsen abhängig. Deshalb besinnen sich inzwischen viele Kommunen auf den Aufbau eigener Erzeugungskapazitäten. Dazu gibt es verschiedene Strategien: So offeriert die Südweststrom aus Tübingen, eine Kooperation von mehreren süddeutschen Stadtwerken, ihren Gesellschaftern die Beteiligung an Kohlekraftwerken am Standort Brunsbüttel und am Offshore-Windpark Bard 1. Ähnlich verhält es sich bei Trianel, einem Verbund von rund 80 Stadtwerken. Er engagiert sich sowohl im Bau von Offshore-Windparks als auch Kohlekraftwerken in Nordrhein-Westfalen. Dagegen wollen die Münchener Stadtwerke ihren Kunden bis 2025 eine hundertprozentige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bereitstellen. Wenngleich vom Ziel noch weit entfernt, ist dies auch der Anspruch von Hamburg Energie, die erst vor Kurzem zwei große Windräder im Hamburger Hafen in Betrieb nahm.
Auch die Aachener Stadtwerke setzen seit vielen Jahren auf einen Ausbau von Ökostromeinheiten: Sie investieren in Biogasanlagen, Fotovoltaik und Offshore-Windenergie zugleich. Und die Energieallianz Bayern, ein Zusammenschluss von knapp zwei Dutzend bayerischen Stadtwerken, betreibt seit Kurzem Windparks in der Oberpfalz. "Die Energie kehrt dorthin zurück, wo sie unmittelbar ge- und verbraucht wird - in die Region", bringt es Gisela Wendling-Lenz von der Ostwind-Gruppe, die die Windparks entwickelt und gebaut hat, auf den Punkt.