FTD.de » Unternehmen » Handel+Dienstleister » Die Renaissance der Stadtwerke

Merken   Drucken   01.05.2011, 09:58 Schriftgröße: AAA

Kommunale Stromversorger: Die Renaissance der Stadtwerke

Einst übernahmen vielerorts große Stromkonzerne die Energieversorgung. Nun wollen die lokalen Unternehmen die Versorgung so schnell wie möglich wieder selbst in die Hand nehmen.
© Bild: 2011 dpa
Einst übernahmen vielerorts große Stromkonzerne die Energieversorgung. Nun wollen die lokalen Unternehmen die Versorgung so schnell wie möglich wieder selbst in die Hand nehmen. von Dierk Jensen
Fukushima ist ein Fanal. Für alle und vor allem für die Energiewirtschaft. Deshalb bringt das vermeintlich weit entfernte japanische Erdbeben sowohl die Vorstände der Energieriesen RWE und Vattenfall als auch die Mitarbeiter kleiner Stadtwerke mächtig ins Schwingen. Überall geistert die Frage umher: Wie geht es nun weiter mit der Energieversorgung, die sicher und zugleich klimaschonend ist?
"Die Stadtwerke stehen bereit, ihren Teil für ein zukunftsfähiges Energiekonzept zu leisten", unterstreicht indessen Hans-Joachim Reck, Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU). Reck vertritt die Interessen von mehr als 1400 städtischen Versorgungsunternehmen, die in die Energieoffensive gehen. Ein bekanntes Beispiel dafür ist Hamburg, wo unter der früheren CDU-Regierung das städtische Netz an den schwedischen Versorger Vattenfall veräußert wurde und wo man nun mit der Gründung der stadteigenen Hamburg Energie wieder versucht, die Energieversorgung zu rekommunalisieren. Die neue SPD-Regierung unter Bürgermeister Olaf Scholz hat sich für die laufende Legislaturperiode fest vorgenommen, 25 Prozent des städtischen Stromnetzes wiederzuerwerben.
Zu welchem Preis das geschehen wird, steht noch in den Sternen. Allerdings seien "harte Verhandlungen" mit Vattenfall zu erwarten, sagt Christoph Holstein von der Senatspressestelle. Und er ergänzt: "Es gilt, die Gestaltungsmöglichkeiten der Stadt hinsichtlich ihrer Energieversorgung zurückzugewinnen, war doch die ungebremste Privatisierung nicht immer zum Vorteil der Stadt."
In den letzten drei Jahren sind nach Angaben des VKU bundesweit rund 40 neue Stadtwerke gegründet worden. Zudem laufen jedes Jahr rund 1000 sogenannte Konzessionsverträge aus, bei denen die Kommunen den Energieversorgern das Recht auf die Nutzung öffentlicher Leitungen einräumen. "Durch das Auslaufen dieser Verträge ergeben sich für viele kommunale Unternehmen interessante Handlungsoptionen", verweist VKU-Hauptgeschäftsführer Reck auf die sich bietenden Chancen. Die Stadtwerke haben in letzter Zeit bundesweit rund 100 neue Konzessionen übernommen.
Doch ist der Erwerb der lokalen Netze allein kein Garant für Erfolg. Denn wenn die Stadtwerke keine eigenen Kraftwerke betreiben, bleiben sie allein vom Stromkauf an den Börsen abhängig. Deshalb besinnen sich inzwischen viele Kommunen auf den Aufbau eigener Erzeugungskapazitäten. Dazu gibt es verschiedene Strategien: So offeriert die Südweststrom aus Tübingen, eine Kooperation von mehreren süddeutschen Stadtwerken, ihren Gesellschaftern die Beteiligung an Kohlekraftwerken am Standort Brunsbüttel und am Offshore-Windpark Bard 1. Ähnlich verhält es sich bei Trianel, einem Verbund von rund 80 Stadtwerken. Er engagiert sich sowohl im Bau von Offshore-Windparks als auch Kohlekraftwerken in Nordrhein-Westfalen. Dagegen wollen die Münchener Stadtwerke ihren Kunden bis 2025 eine hundertprozentige Stromversorgung aus erneuerbaren Energien bereitstellen. Wenngleich vom Ziel noch weit entfernt, ist dies auch der Anspruch von Hamburg Energie, die erst vor Kurzem zwei große Windräder im Hamburger Hafen in Betrieb nahm.
Auch die Aachener Stadtwerke setzen seit vielen Jahren auf einen Ausbau von Ökostromeinheiten: Sie investieren in Biogasanlagen, Fotovoltaik und Offshore-Windenergie zugleich. Und die Energieallianz Bayern, ein Zusammenschluss von knapp zwei Dutzend bayerischen Stadtwerken, betreibt seit Kurzem Windparks in der Oberpfalz. "Die Energie kehrt dorthin zurück, wo sie unmittelbar ge- und verbraucht wird - in die Region", bringt es Gisela Wendling-Lenz von der Ostwind-Gruppe, die die Windparks entwickelt und gebaut hat, auf den Punkt.

Teil 2: Standhafte Platzhirsche

  • FTD.de, 01.05.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
FTD-Versicherungsmonitor
FTD-Versicherungsmonitor

Der FTD-Versicherungsmonitor hat alle wichtigen Namen und Nachrichten auf dem Radar und bündelt die wichtigsten Informationen aus verschiedenen Quellen. So erhalten Sie einen exzellenten Überblick über die Assekuranz, analytisch kommentiert von FTD-Versicherungskorrespondent Herbert Fromme.

Jetzt kostenlos abonnieren
Tweets von FTD.de Unternehmens-News

Weitere Tweets von FTD.de

  16.05. Wissenstest Sind Sie Flughafenkenner?

Die verschobene Eröffnung des Berliner Großflughafens BER schlägt Wellen. Die internationalen Flughäfen sind nicht nur dynamische Orte, sondern auch Großunternehmen. Kennen Sie sich gut mit Airports aus?

Zunächst eine Frage zum weltgrößten Flughafen. Derjenige mit dem größten Passagieraufkommen ist …

Wissenstest: Sind Sie Flughafenkenner?

Alle Tests

Tools für Unternehmer
 
Gründung Finanzierung Steuern Firmenwert Vorlagen
Verträge und Vorlagen Sie benötigen Dokumente und nützliche Arbeitshilfen für Ihren Geschäftsalltag? Wählen Sie aus fast 5.000 rechtssicheren und aktuellen Verträgen, Vorlagen, Checklisten, Rechentabellen oder Ratgebern. mehr

Newsletter:   Eilmeldungen Unternehmen

Autobauer unterschreibt milliardenschwere Übernahme? Mit uns wissen Sie es, bevor die Tinte trocken ist.

Beispiel   |   Datenschutz
  • Verkauf von Makro: Neuanfang für Metro

    "Zum Handeln geschaffen" lautet Metros Motto. Der neue Konzernchef Olaf Koch scheint den Slogan wörtlich zu nehmen. Mit dem ersten großen Verkauf einer Tochter bricht er den Stillstand bei Metro auf. mehr

  •  
  • blättern
  Bilderserie Deutsche Bank Stationen eines Topbankers

Bilderserie

  30.05. Wirtschaft Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus
Wirtschaft: Facebook-Aktie bis zu zehn Prozent im Minus (00:00:35)

Damit lag die Aktie deutlich unter dem Ausgangskurs von 38 Dollar am 18. Mai. mehr

FTD-Blogs
Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

 



markets
  DAX 6280,8  [-116.04 -1,81%
  Dow Jones 12419,86  [-160.83 -1,28%
  Nasdaq Composite 2837,36  [-33.63 -1,17%
  Euro Stoxx 50 2116,18  [-44.13 -2,04%
VERSICHERUNGEN

mehr Versicherungen

INDUSTRIE

mehr Industrie

FINANZDIENSTLEISTER

mehr Finanzdienstleister

HANDEL+DIENSTLEISTER

mehr Handel+Dienstleister

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote