Ikea will vom aufstrebenden Schwellenland Indien profitieren. Nach der umstrittenen Marktöffnung für Einzelhändler im September plant die schwedische Möbelhauskette, dort 25 Filialen zu eröffnen. Der Antrag bei der indischen Regierung sei bereits gestellt, gab das Unternehmen bekannt. Die Zustimmung der Politik ist wahrscheinlich: Indien benötigt dringend Direktinvestitionen. Ikea hat bereits angedeutet, in der ersten Phase bis zu 757 Mio. Dollar in Indien investieren zu wollen. Über die kommenden ein bis zwei Jahrzehnte könnten es 1,9 Mrd. Dollar werden.
Erst auf massiven Druck von Einzelhandelsketten wie Ikea und H&M hatte die Regierung in Neu-Delhi seit Anfang des Jahres den Zugang zum Markt schrittweise gelockert. Bisher war vorgeschrieben, einen lokalen Partner mit an Bord zu holen. Obwohl diese Bedingung inzwischen abgeschafft worden ist, müssen Unternehmen wie Ikea immer noch etwa 30 Prozent ihrer Waren "vorzugsweise" von kleinen und mittelständischen Unternehmen vor Ort beziehen. Eine Herausforderung, denn die lokale Produktion entspricht nicht den Qualitätsstandards.
Trotz der lange ersehnten Öffnung trauen sich die Einzelhandelskonzerne nur vorsichtig nach Indien, obwohl in dem bevölkerungsreichen Land jährlich Waren im Wert von 400 Mrd. Euro umgesetzt werden.
Dass Ikea nun zu den Pionieren zählt, ist dem Bauboom der vergangenen Jahre geschuldet: Die Nachfrage nach erschwinglichen Einrichtungsgegenständen ist groß. "Wir wissen, dass viele Menschen ungeduldig darauf warten, dass das erste Ikea-Möbelhaus in Indien öffnet", sagte Ikea-Firmenchef Mikael Ohlsson. "Sobald unser Antrag genehmigt ist, werden wir einen Plan entwickeln, wie wir Ikea-Möbelhäuser auf Jahre hinaus etablieren können."
Es ist Ikeas zweiter Anlauf. Zwar ermöglicht Indien seit 2006 ausländischen Firmen, 51 Prozent an Einzelhandelsunternehmen mit nur einer Marke zu halten. Die erhoffte weitere Liberalisierung stockte aber, und 2009 verkündete Ikea ein Ende seiner Bemühungen. Auch andere ausländische Investoren waren verschreckt, die Kapitalzuflüsse schwanden und drückten die indische Rupie auf Rekordtiefs gegenüber dem Dollar. Erst jüngst entschied die Regierung gegen den Widerstand der Bevölkerung, dass ausländischen Firmen unter Auflagen 100 Prozent an Einzelhandelsunternehmen besitzen dürfen.