Diesen Leitartikel finde ich befremdlich in seiner Diskrepanz zu Darstellungen anderer Presseorgane. Sie schreiben: "Schlecker strebt die Planinsolvenz an. Es ist ein Verfahren, mit dem sich viele Unternehmen erfolgreich sanieren ließen - wenn gierige Gläubiger und überforderte Insolvenzverwalter das Unterfangen nicht torpedieren würden."
Gierige Gläubiger? Ich bin mir nicht sicher, inwiefern ein Gläubiger gierig sein kann, denn mehr als das Vereinbarte kann er nicht fordern, und nur das Vereinbarte zu fordern konstituiert keine Gier -- jedenfalls nicht unter redlichen Menschen.
Gier könnte man doch wohl wesentlich eher dem Milliardär und verurteilten Betrüger Herrn Schlecker selbst unterstellen, der jetzt im Rahmen der Planinsolvenz die Bundesarbeitsagentur zur Zahlung der Löhne seiner Mitarbeiter zur Kasse bittet. Worüber sich auch Trigema-Chef Wolfgang Grupp in der Wirtschaftswoche empört.
Zurück zur Torpedierung der Insolvenz: "Um das zu verhindern, wurde das Verfahren nun so reformiert, dass es sich nur noch schwer sabotieren lässt - das gilt aber erst ab März."
Dem Handelsblatt zufolge ist es allerdings auch so, dass ab März "weitaus stärker in die Rechte des Altgesellschafters" eingegriffen wird. "Auch die ab März drohende Gefahr, dass Geldgeber ihren Kredit kurzerhand in Eigenkapital der Pleitefirma verwandeln, braucht Schlecker durch seine Terminwahl nicht zu fürchten."
Insofern scheint Schleckers Insolvenztermin durchaus mit Bedacht gewählt worden zu sein, und keineswegs ein unglückliches Zusammentreffen darstellen so wie es dieser Leitartikel suggeriert.